23.01.2022 06:00 |

Immobilienspekulation

Billiger Acker wird plötzlich zur Goldgrube

Dass Landwirte finanziell stark unter Druck geraten, macht vor allem eine Branche zu Gewinnern: jene der Immobilienspekulanten. Dahinter stecken Schicksale wie jenes von Bernhard Schwaiger aus St. Marein-Feistritz, der nun vor den Ruinen seiner Existenz steht.

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Elf Kühe und ein Haufen Schulden: So hat Bernhard Schwaiger den elterlichen Hof in St. Marein-Feistritz in der Region Knittelfeld übernommen. Das war 1987, der Jungbauer gerade einmal 22.

Nach ein paar sehr guten Jahren, in denen der stetig gewachsene Rindfleischproduzent Spitzenrestaurants ebenso belieferte wie Spar als damals wichtigsten Handelspartner, platzte der Traum vom Bauern als Millionär jäh: „Trotz ausreichender Besicherung drängte die Raiffeisenbank Graz-Thalerhof als meine damalige Hausbank aus heiterem Himmel auf eine Rückführung der Verbindlichkeiten“, erinnert sich Schwaiger.

Sämtliche Versuche einer Zwischenfinanzierung wurden trotz potenter Unterstützer seitens der Bank stets abgelehnt, was am 30. Juni 2020 schließlich in der Zwangsversteigerung des 3,3 Hektar großen Grundstücks samt Haus und Hof mitten im Zentrum der obersteirischen Wachstumsgemeinde mündete: „Zum Zug kam just ein schillernder Immobilienentwickler aus der Region, und nicht, wie vom Grundverkehrsgesetz vorgesehen, ein Bauer“, sagt Klaus Ainedter, der den Landwirt vertritt.

Ein Schicksal, das immer mehr Bauern ereilt, die ihre Schulden nicht mehr bezahlen können. Aus einst niedrig bewertetem Ackerland wird dann durch kreative Umgehungskonstruktionen plötzlich teures Bauland.

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Anfangs glaubte ich an einen Verfolgungswahn meines Mandanten. Diese Meinung hat sich grundlegend geändert.

Rechtsanwalt Klaus Ainedter

Hielten alle regionalen Kaliber zusammen?
Dass der prominente Anwalt aus Wien den Fall überhaupt übernommen hat, ist den auffallend vielen Ungereimtheiten geschuldet, die bei genauerer Durchsicht des mittlerweile Hunderte Seiten dicken Aktes ins Auge stechen. Naheverhältnisse zwischen Immobilienentwickler, Bank-, Bezirksgerichts-, Gemeinde-, Bezirkshauptmannschafts- sowie Landwirtschaftskammer-Vertretern können zwar nur teilweise nachgewiesen werden – was aber immer bleibt, ist der schale Nachgeschmack: „Wieso wird im Schätzgutachten für die Versteigerung nicht berücksichtigt, dass die Flächen unmittelbar vor der Veräußerung als potenzielles Bauland ausgewiesen wurden? Warum widerspricht der hinzugezogene Sachverständige den Darstellungen der für den Fall zuständigen Richterin vom Bezirksgericht Judenburg? Diese hat sich übrigens in der Zwischenzeit für befangen erklärt, ein Schritt, der so gut wie nie passiert – weshalb behalten ihre Beschlüsse dennoch ihre Gültigkeit?“, zählt Ainedter nur einen „Bruchteil der offenen Fragen“ auf.

Ähnliche Seil- und Machenschaften gehören zum Alltag des Advokaten, ein „Fall dieser Dimension“ ist dem 41-Jährigen jedoch „noch nie untergekommen“, so Ainedter zur „Krone“.

Während der Anwalt ankündigt, „weiter wie ein Löwe in der Angelegenheit für Gerechtigkeit kämpfen zu wollen“, weisen die Gegenseiten sämtliche Vorwürfe zurück. Allen voran Peter Buchbauer von der Grazer Hohenberg Rechtsanwälte GmbH, die den Immobilienverwerter vertritt: „Bernhard Schwaiger stellt die Geschichte in der Öffentlichkeit als große Verschwörung dar“, in Wahrheit hätte er sich aber „schlicht überschuldet, dies nicht zuletzt wegen seines Lebensstils“. Zudem handle es sich bei dem erworbenen Grundstück entgegen den Behauptungen „nicht gerade um ein Schnäppchen“.

Das Bankinstitut wollte auf „Krone“-Nachfrage keine Stellungnahme abgeben, der Zuständige verweist auf das Bankgeheimnis.

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