Opfer gemobbt

Musiklehrer muss für Missbrauch 55 Monate büßen

Im Finale verhallte seine Lügenarie. Ein Innviertler Musikschullehrer muss vier Jahre und sieben Monate lang hinter Gitter. Der 59-Jährige hatte eine Schülerin jahrelang sexuell missbraucht. Das Martyrium begann, als das Mädchen erst zwölf Jahre alt war. Noch schlimmer: Das Opfer wurde nach der Anzeige gemobbt.
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Ein Kriminalfall, in vielerlei Hinsicht leider wie aus dem Lehrbuch: Der mittlerweile 59-Jährige vergriff sich ab 2016 in der Musikschule Neukirchen am Walde an der damals Zwölfjährigen aus einem Nachbarort, die ihn seit Kindesbeinen kannte und ihm vertraute. Er unterrichte das Mädchen im Trompetespielen, berührte es während des Unterrichts unsittlich zwischen den Beinen, an den Brüsten und anderen Körperstellen, so Anwalt Gernot Lehner, der das Opfer juristisch vertritt. „Meine Mandantin erlitt infolge der Übergriffe eine mittelgradige depressive Episode“.

Nach zwei Jahren Qual der Tante alles anvertraut
Schließlich vertraute sich das Mädchen nach zwei Jahren Qual seiner Tante und Taufpatin an, die Mutter erstattete im Herbst 2018 Anzeige. Doch damit war gar nichts wieder gut. Denn während des langwierigen Ermittlungs- und Beweisverfahrens begann eine Hexenjagd. Das mutige Mädchen wurde massiv gemobbt. „Es ist als die Böse dagestanden und hat sehr darunter gelitten. Der soziale Druck auf das Mädchen war enorm. Darum war es ihm auch so wichtig, dass nun die Öffentlichkeit erfährt, dass es die Wahrheit gesagt hat“, erklärt ihr Anwalt Lehner.

Psycho-Gutachten
Leider auch ein „Klassiker“: Der Täter stritt stets alles ab, behauptete, er habe seinem Opfer nur die richtige Atemtechnik gezeigt. Erst im Jänner 2021 wurde der Musikschullehrer wegen des Verbrechens des sexuellen Missbrauchs von Unmündigen sowie der Vergehen der sexuellen Belästigung und des Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses zu einer unbedingten Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt. Entscheidend war das psychologische Gutachten, in dem der Missbrauch bestätigt wurde.

Beim Obersten Gerichtshof blitzte der Verurteilte ab
Der pädophile Pädagoge erhob Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung, doch im Oktober bestätigte der Oberste Gerichtshof den Schuldspruch. Am 21. Dezember fand die Berufungsverhandlung über die Strafhöhe am Oberlandesgericht Linz statt. Dieses reduzierte aufgrund der langen Verfahrensdauer die Strafe um zwei Monate. Das Urteil ist rechtskräftig. Der Lehrer zahlte inzwischen 23.000 Euro Schmerzensgeld.

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