18.12.2021 14:54 |

Grazer Oper

„Perlenfischer“: Innigkeit im blutigen Spektakel

Vielfach verschoben durfte George Bizets Jugendwerk „Die Perlenfischer“ nun doch noch das Bühnenlicht in Graz erblicken. Nach der Premiere stellt sich jedoch die Frage, ob diese Inszenierung nicht besser im Dunklen geblieben wäre. Trost kommt von den hervorragenden Sängern und aus dem Orchestergraben, wo Marcus Merkel und die Grazer Philharmoniker geradezu zaubern.

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Nennen wir das Kind beim Namen: Gegen seine 1875 uraufgeführte „Carmen“ stinken Bizets „Die Perlenfischer“ (1863) ganz einfach ab. Ein schwaches Libretto und eine nicht besonders homogene Musik (die dennoch Großes schon erahnen lässt) voller eigenwilliger exotischer Einsprengsel tragen nicht durch den Abend. Freilich hätte man mit fantasievoller Regie daraus etwas machen können. Ben Baur und Beate Vollack setzen aber lieber auf ein antiquiertes Spektakel, bei dem es scheint, als würden Azteken am australischen Ayers Rock (auch die düster dräuende Felslandschaft stammt von Baur) blutige Opfer-Rituale vollziehen - unter stützt von den drei schottischen Hexen Shakespeares, die gerne Tempelmädchen verprügeln. Dazu ein ägyptisch anmutender Hohepriester - und schon hat man das Exotische und Ferne für unsere Tage definiert. Das alles in Kostümen (Uta Meenen), die ein wenig an Polynesien aus einem Elvis-Film erinnern. Das wirkt nicht nur ordentlich verstaubt, sondern in seiner überzeichneten Ballett-Dramatik mitunter ziemlich lächerlich.

Musikalische Glanzleistung
Zum Glück gibt es aber noch die Musik und jene die sie so meisterhaft umsetzen. Dirigent Marcus Merkel etwa, der das hochdisziplinierte Orchester nur ganz selten donnern lässt, dafür zahlreiche innige Momente dem Bühnenspektakel entgegensetzt. Diese wissen die drei Protagonisten wunderbar zu nützen. Dariusz Perczak als von Eifersucht zerfressener, kraftvoller Zurga ebenso wie Andrzej Lampert, der mit seinem lyrischen, hellen Tenor dessen Freund und gleichzeitig Gegenspieler Nadir glaubwürdige Tiefe verleiht. Der Glanzpunkt des Abends ist aber zweifelsfrei Tetiana Miyus als Leïla, die ihren klaren Sopran wunderbar erstrahlen lässt und zusätzlich auch eine zu Herzen gehende Geschichte nachfühlbar macht. Starke Präsenz in einer kleineren Rolle zeigt auch Daeho Kim als Nourabad.

Ein großes Lob gebührt dem Chor, der es schafft, sich auch in den lauten Musikpassagen zu behaupten, sowie den Tänzerinnen und Tänzern der Ballettschule, die selbst die seltsamsten Vorgaben gewissenhaft ausführen.

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