18.12.2021 10:55 |

Steirer in Afghanistan

Die letzte große Reise vor Rückkehr der Taliban

Wenige Monate vor der Machtübernahme durch die Taliban war der Ausseer Kameramann Markus Raich in Afghanistan. Er erlebte ein landschaftlich faszinierendes Land - und so manch brenzlige Situation.

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Es waren bange Stunden im Bus, verkleidet als Einheimischer. Die Kamera war am Unterboden versteckt festgeschnallt. An ein Aussteigen war nicht zu denken - viel zu gefährlich!

„Ein Inlandsflug wurde abgesagt. Wir mussten daher per Bus durch Talibangebiet. Ausländer sind dort unerwünscht“, erinnert sich Markus Raich. Der Ausseer Bergretter und Unternehmer war im Frühjahr gemeinsam mit dem Oberösterreicher Helmut Pichler drei Wochen lang in Afghanistan. Sie nahmen dort an einem einzigartigen Skitouren-Bewerb teil - und drehten einen Dokumentarfilm, der am 18. Dezember (18.05 Uhr) auf ServusTV läuft.

„Der Hindukusch ist eine Traum-Gegend“
Raich war schon oft in der mächtigen Bergwelt Asiens unterwegs, nach Afghanistan verschlug es ihn aber zum ersten Mal. „Es ist ein landschaftlich wunderschönes Land. Der Hindukusch ist eine Traum-Gegend“, schwärmt er.

Auch die Bewohner Afghanistans haben bei Raich Eindruck hinterlassen. „Vor allem bei den Jungen war die Aufbruchstimmung groß. Sie hofften, dass es aufwärts ginge, sobald die Amerikaner das Land verlassen haben, und sprachen davon, Marathons und Mountainbikerennen zu veranstalten.“

Es kam ganz anders: Im Sommer eroberten die Taliban binnen kürzester Zeit das gesamte Land, die Bilder von verzweifelten Menschen am Flughafen von Kabul schockierten die Welt. „Die Lage ist derzeit ein Wahnsinn, vor allem für junge Frauen“, ist Raich, der nach wie vor Kontakt zu Afghanen im Land hat, betroffen.

Österreicher regelten vieles mit Schmäh
Seine Reise und die Filmaufnahmen davon sind daher auch ein Stück Zeitgeschichte, zeigen sie doch das Land kurz vor einem historischen Umbruch. Die Vorbereitungen zum dreiwöchigen Aufenthalt im Frühjahr waren kompliziert, für das Visum mussten zahlreiche Dokumente und Beglaubigungen abgegeben werden - erst am Tag vor dem Abflug lag es schließlich vor.

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Die Reise, die wir gemacht haben, wird in der Form wohl nicht mehr möglich sein.

Helmut Pichler

In Afghanistan war es dann herausfordernd, sich an die Regeln zu halten und dennoch gutes Filmmaterial mit nach Hause zu bringen. „Es ist verboten, Frauen zu filmen. Das gilt auch für viele Sehenswürdigkeiten, die teilweise schon von den Taliban bewacht wurden“, erzählt Raich.

Drohne brachte brenzlige Situation
Besonders brenzlig wurde es, als der Steirer unwissentlich eine Drohne in einem Gebiet steigen ließ, in dem das streng verboten war. „In der Nacht kam plötzlich ein Polizei- und Militäraufgebot zu uns, das war nicht lustig. Unser Dolmetscher hat das zum Glück geregelt und glaubhaft gemacht, dass wir reine Touristen sind.“

Überhaupt habe man - typisch Österreicher - vieles mit „Schmäh“ regeln können. Als europäisch gekleidete Wintersportler fielen Raich und Pichler ja ohnehin auf wie die sprichwörtlich bunten Hunde. Das galt natürlich auch bei der „Ski-Challenge“ am Hindukusch, wo es mit Tourenskiern auf fast 4000 Metern Seehöhe ging - für Raich mit Kamera im schweren Gepäck.

„In dieser Form wohl nicht mehr möglich
Gerne würde der Ausseer wieder nach Afghanistan zurückkehren, dann aber im Sommer, wenn alles blüht. „Es muss wunderschön sein.“ Der Traum wird wohl lange unerfüllt bleiben. „Die Reise, die wir gemacht haben, wird in der Form wohl nicht mehr möglich sein“, fürchtet Helmut Pichler.

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