Mo, 20. August 2018

Wegen 20 Euro

09.04.2011 12:41

Wiener schießt auf Nachbarn und richtet sich selbst

Ein Nachbarschaftsstreit ist am Freitag in Wien-Donaustadt völlig eskaliert. In der Steigenteschgasse eröffnete am helllichten Tag einer der Streithähne mit einer Pistole das Feuer und schoss seinem Kontrahenten in die Schulter. Der mutmaßliche Täter beging dann in unmittelbarer Nähe der Kleinkunstbühne Orpheum Selbstmord. Am Samstag wurde das unfassbare Motiv für den blutigen Nachbarschaftsstreit bekannt: ein Streit um 20 Euro im Zuge eines Autokaufs.

"Die zwei haben sich nie leiden können", meinte ein Anrainer beim Lokalaugenschein. Ein Augenzeuge: "Der eine ist aus seinem Auto gestiegen und nach hinten zum Kofferraum gegangen. Dann ist der andere von hinten gekommen, die beiden haben sich noch gegrüßt, plötzlich kracht's."

Nach Schuss Selbstmord begangen
Der 49-jährige Schütze feuerte laut Polizei gegen 13 Uhr von hinten mit einer Walther P38 (Kaliber 9 mm) auf seinen 36-jährigen Kontrahenten und traf ihn in die Schulter. Der Schütze dürfte abgedrückt haben, als der Jüngere gerade auf einem Parkplatz in der Steigenteschgasse sein Auto beladen wollte. Bestürzung herrschte vor allem über den Umstand, dass die Schüsse "in unserer ruhigen Gasse" gefallen sind.

Offenbar geschockt von seiner Tat flüchtete der Mann nach dem Schuss in den Hinterhof des Kabarettlokals Orpheum und richtete dort die Pistole gegen sich selbst. Für ihn kam jede Hilfe zu spät.

36-Jähriger war bei Spitalseinlieferung ansprechbar
Der angeschossene 36-Jährige war bei seiner Einlieferung ins Krankenhaus ansprechbar, hieß es vonseiten der Polizei. Die beiden Beteiligten wohnten laut Polizeiangaben in der Reihenhaussiedlung vis-à-vis. Ein Team der Kriseninterventionseinheit betreut die Angehörigen des Verletzten sowie des Toten.

Das Opfer konnte mittlerweile einvernommen werden. Wie der 36-Jährige aussagte, der einen glatten Schulter-Durchschuss erlitten hatte und auf eigenen Wunsch am Samstag bereits aus dem Krankenhaus entlassen wurde, war er mit seinem "Grätzel"-Nachbarn in der Steigenteschgasse längere Zeit befreundet gewesen. Man habe öfters zusammen gegrillt und war gegenseitig zum Essen eingeladen gewesen.

Wegen 20 Euro ausgerastet
Das alles hatte ein abruptes Ende gefunden, als vor ca. einem Jahr das Opfer von der Freundin des späteren Schützen ein Auto für seine Lebensgefährtin gekauft habe. Statt den vereinbarten 80 habe er 100 Euro übergeben, damit der Pkw vollgetankt übergeben würde. Dies sei aber offenbar nicht geschehen.

Wegen dieser 20-Euro-Differenz sei ein Streit entstanden, der auch weiterging, nachdem der Betrag wieder zurückerstattet worden war. Beide Kontrahenten hätten seitdem offenbar keine Gelegenheit ausgelassen, sich deswegen aufzuziehen und zu ärgern, so ein Polizeisprecher. In den vergangenen Tagen wäre der 49-Jährige des Öfteren aufgeregt und schimpfend durch die Gasse gewandert. Seltsam dann auch das Geschehen unmittelbar vor dem Schuss: "Vergess ma des und red ma drüber", hätte der Ältere gesagt - bevor er ohne eine weitere Äußerung auf den 36-Jährigen schoss.

Auch Anrainer können sich kaum einen Reim machen auf die schrecklichen Ereignisse: "Den, der nach der Bluttat per Kopfschuss Selbstmord verübt hat, kannten wir alle. Er lebte seit seiner Kindheit hier und war ausgesprochen nett", so Nada Endres, die ein Übersetzungsbüro gleich neben dem Tatort betreibt.

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