08.11.2021 06:00 |

Erfolgreicher Steirer

Das richtige Rezept gegen die Bäckerkrise

Christian Ofner reitet als Backprofi auf einer nicht enden wollenden Erfolgswelle. Er verlieh dem oft verstaubten Handwerk neuen Pep und baut in Gleisdorf kräftig aus.

Für eine eigene Bäckerei hat mir einfach der Mut gefehlt“, erinnert sich Christian Ofner heute mit einem Lachen zurück. Die dafür notwendigen Investitionen schienen für ihn einfach nicht stemmbar, dazu kam die enorme Konkurrenz von Supermärkten mit eigenen Aufbackstationen, die laut dem Steirer damals allerorts aus dem Boden schossen. Also Plan B – und der war rückblickend nicht der schlechteste. „Vor elf Jahren erlebten die Koch-Shows im Fernsehen gerade ihren Boom. Ich habe mir gedacht, dass muss doch auch als Bäcker gehen“, erzählt Ofner. Gesagt, getan. Mit zwei Kisten Mehl und zwei Küchenmaschinen im Kofferraum setzte er sich ins Auto und klapperte die Steiermark ab. Der Anfang war dabei alles andere als leicht. „Zu den ersten Kursen verirrte sich oft nicht einmal eine Handvoll Leute“, erzählt Ofner.

Doch schnell stellte sich der Erfolg ein – und wie! Während landauf, landab bei immer mehr Traditionsbäckern das Licht ausgeht, entwickelten sich die Kurse und Shows des Backprofis zu absoluten Publikumsrennern. Aktuell sind seine Kurse über ein Jahr hinaus ausgebucht, stehen pro Veranstaltung 50 bis 100 Leute auf der Warteliste. Dazu geht Ofner mittlerweile auch als Bestsellerautor durch – 150.000 Bücher hat er bereits verkauft. „Traditionelles Gebäck auf dreierlei Art“ heißt sein mittlerweile sechstes Werk, das vor Kurzen in den Verkauf ging. Und auch der Verkauf seiner Bio-Zutaten brummt: Im Vorjahr verkaufte der 41-Jährige allein stolze 35 Tonnen Mehl in alle Welt.

Zwei Millionen Euro für neue Backzentrale
Der erst vor wenigen Jahren bezogenen Firmenstandort in Gleisdorf platzt ob dieser Entwicklung mittlerweile aus allen Nähten – darum tauscht Ofner seine grüne Backschürze aktuell regelmäßig gegen einen Bauhelm. In direkter Nachbarschaft entsteht auf 2500 Quadratmetern die neue Backstube. Wobei diese Bezeichnung beinahe eine Untertreibung ist. „Das wird unser neuer Flagshipstore, wo man verpackungsfrei einkaufen kann und wir auch alle Zutaten abfüllen“, erklärt der Oststeirer. Stolze zwei Millionen Euro kostet das Projekt, im Mai 2022 wird eröffnet.

Seine Lieferanten kennt Ofner alle persönlich. Das Mehl stammt etwa von einer niederösterreichischen Mühle, die Bauern aus der Steiermark, dem Burgenland und eben Niederösterreich beliefern. Industrielle Teiglinge aus der Slowakei oder Tschechien kommen ihm nicht in die Backstube. „Wir gaukeln die Regionalität nicht nur vor, wie es im Handel oft gemacht wird, sondern leben sie einfach.“ Deshalb hat er auch über das eine oder andere gute Angebot von potenziellen Investoren nicht einmal einen Gedanken verschwendet. „Meine Frau Michaela und ich wollen einfach unser Ding durchziehen, die eigene Marke stärken und auch in Zukunft selbst entscheiden.“ Der Erfolg gibt ihnen zweifellos Recht.

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