Vereine vor dem Aus

Rotstift bei Behindertenarbeit: Familien verzweifelt

Steiermark
30.03.2011 16:28
Der Rotstift des Landes ist unbarmherzig, gerade bei der Behindertenarbeit. Der Bereich Familienentlastung droht völlig unter die Räder zu kommen. Dabei sind es wertvolle Stunden: Abwechslung für die Behinderten, Durchatmen bei den Angehörigen. Beim Verein "Christina lebt" in Weiz (im Bild Klienten) herrscht Verzweiflung.

Die Befürchtungen waren ohnehin schlimm bei den Behindertenverbänden. Am Montag kam dann aber der Hammer, da rückte Soziallandesrat Siegi Schrittwieser (SPÖ) mit der detaillierten Wahrheit heraus. Und die ist höchst unangenehm.

Verein entlastet derzeit 70 Familien
"Wenn die Pläne durchgezogen werden, müssen wir zusperren", sagt Helene Lexer, die Leiterin von "Christina lebt" . Der Verein entlastet im Bezirk Weiz 70 Familien mit behinderten Angehörigen, darunter viele Kinder, indem diese für ein paar Stunden im Vereinszentrum oder auch zu Hause liebevoll betreut werden.

Nun droht das Aus. Bis Mitte 2012 läuft die "Galgenfrist", dann endet der Vertrag mit dem Land. Die weitere Perspektive: 18 von 27 Mitarbeitern werden gekündigt, das Stundenkontingent radikal gekürzt. Es hätte wohl keinen Sinn mehr.

"Familien werden an den Rand gedrängt"
Bei den Betroffenen ist der Schock riesig, wie zahlreiche berührende Briefe an die "Steirerkrone" zeigen. Lexer: "Die Familien werden an den Rand gedrängt, vor allem Mütter können dann gar nie mehr durchatmen." Neben "Christina lebt" sind viele weitere Behindertenorganisationen betroffen. Im Bezirk Weiz will man kämpfen. Am Donnerstag wird ab 14 Uhr in der Stadt Weiz demonstriert. Motto: "Behinderung hat ein Gesicht."

Leserbriefe an die "Steirerkrone":

  • Walter Guggenbichler: "Soll unserem Sohn Walter, der Autist ist, nicht ermöglicht werden, ein 'normales' Leben zu führen?" 
  • Katharina Scherf: "Als betroffene Mutter bitte ich die Landesregierung, ihren Sparplan nochmals zu überdenken!" 
  • Margarethe Schober (81): "Meine behinderte Tochter ist 55 Jahre alt. Sollen wir beide nun gemeinsam ins Altersheim ziehen?" 
  • Gertraud und Friedrich Ziesler: "Wir sind über 70 Jahre alt und überfordert, unseren Sohn jeden Tag 24 Stunden zu betreuen." 
  • Helga Reitbauer: "Durch die Einsparungen werden wir auf einen Schlag zurück in den Sumpf der Verzweiflung geworfen." 
  • Sylvia Schloffer: "Als alleinerziehende Mutter muss ich arbeiten gehen. Das war aber nur dank 'Christina lebt' möglich." 
  • Katharina Adlmann: "Ich gehe jeden Tag arbeiten. Was soll ich im Sommer machen, wenn es keine Familienentlastung mehr gibt?" 
  • Elisabeth Rauchenberger: "Die Kürzungen werden Familien an die Grenzen ihrer Kräfte bringen, Familien werden daran zerbrechen." 
  • Josef Derler: "Ich sitze im Rollstuhl, unser Sohn Mario ist von Geburt an behindert. Ich weiß nicht, wie wir das schaffen sollen!"

von Jakob Traby, "Steirerkrone"

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