13.10.2021 09:45 |

„Krone“-Ombudsfrau

Keine 24-Stunden-Betreuung für Demenzpatienten?

Meist ist eine 24-Stunden-Betreuung erst mit einer entsprechend hohen Pflegegeldstufe leistbar. Und diese bekommt man nur mit einem hohen Pflegebedarf. Der liegt bei Demenzkranken zweifellos vor. Aber offenbar nicht so sehr, dass eine Betreuung rund um die Uhr zugesprochen wird, wie zwei Fälle zeigen.

Hildegard K. aus der Steiermark ist schwer demenzkrank. Die Betreuung der 85-Jährigen übernimmt zum Teil ihr Sohn. Aber auch eine Personenbetreuerin, denn Frau K. kann keinen Augenblick allein gelassen werden. „Meine Mutter steht in der Nacht auf, ist nicht orientiert, versucht, in den Garten zu gehen, findet die Toilette nicht“, schildert der Sohn. Seit zwei Jahren versucht die Familie, Pflegegeldstufe 6 zu erreichen. Die Betreuung muss zum Teil von der Familie beglichen werden.

Der vom Gericht bestellte Gutachter hat zwar einen entsprechend hohen Pflegebedarf von weit mehr als den erforderlichen 180 Stunden festgestellt. Aber: Zwei noch erforderliche Kriterien hat der Gutachter verneint. Nämlich, dass die Betreuungsmaßnahmen zeitlich unkoordiniert während Tag und Nacht erbracht werden müssen, dass sie also ungeplant eintreten können. Und dass die dauernde Anwesenheit einer Pflegeperson erforderlich ist. Wegen hoher Wahrscheinlichkeit einer Eigengefährdung. Auch das hat der Gutachter - für viele Experten unverständlich - abgesprochen.

Wird genügend Rücksicht auf Diagnose Demenz genommen?
Auch ein Niederösterreicher, der seine hochgradig demente Mutter betreut, hat sich an uns gewandt. Sie leidet zusätzlich an Inkontinenz, kann kaum einen Schritt alleine gehen und hat eine sogenannte Papierhaut. „Sie muss in der Nacht umgebettet werden, damit sie nicht wund liegt. Es kommt immer wieder zu Stürzen, obwohl wir überall Haltegriffe montiert haben“, schildert der Leser. Auch in diesem Fall sieht der Gutachter keine Notwendigkeit einer 24-Stunden-Betreuung.

Angesichts dieser Ablehnungen fragt sich Ihre Ombudsfrau, ob in diesem Bereich genügend Rücksicht auf die Diagnose Demenz genommen wird. Offenbar besteht großer Aufholbedarf. Und zwar rasch!

 Ombudsfrau
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