08.09.2021 18:08 |

Aus für Werk Bärnbach

Remus-Gründer Kresch: „Mein Herz hängt noch dran“

Der Stammbetrieb in Bärnbach in der Weststeiermark ist mit dem Jahresende nicht mehr, 120 Mitarbeiter sind betroffen - wie geht es dabei Otto Kresch, der Remus gemeinsam mit seiner verstorbenen Gattin Angelika gegründet hat? Auch wenn er mittlerweile „Abstand“ vom Unternehmen hat: „Es tut schon weh“, sagt er im „Krone“-Interview.

„Krone“: Herr Kresch, Sie haben sich ja aus der Firma zurückgezogen, was machen Sie heute so?
Otto Kresch: Schauen Sie, ich bin 74 Jahre alt und genieße mein Privatleben. Der Rückzug war hart, aber ich musste schweren Herzens nach dem Tod meiner Gattin verkaufen. Allein war es nicht zu schaffen. Sonst hätte ich diesen Schritt nicht gemacht.

Aber ganz haben Sie das Geschäftsleben ja nicht aufgegeben?
Ich bin noch CEO meiner Firma XeNTIS und habe mein Büro dort. Aber die Leitung hat bereits mein Sohn übernommen.

Wenn Sie hören, dass der Standort Bärnbach gesperrt wird, die Wiege Ihres vor mehr als 30 Jahren gegründeten Remus-Unternehmens - wie geht es Ihnen damit?
Ich habe 30 Jahre dort verbracht. Der Betrieb hat mir Kummer bereitet, mich Schweiß und Tränen gekostet, aber auch so viel Freude gemacht. Irgendwann schließt man ab, und ich habe mit dem Kapitel abgeschlossen. Ich lasse es nicht an mich herankommen.

Da hört man jetzt den kühlen Geschäftsmann heraus, wie geht es Ihnen menschlich damit?
Ich wohne fünf Minuten vom Werk in Bärnbach entfernt, fahre täglich daran vorbei. Natürlich hängt da mein Herz dran! Und das wird immer so bleiben. Und natürlich denke ich jetzt an die Mitarbeiter dort. Es tut schon weh.

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Natürlich denke ich jetzt an die Mitarbeiter dort. Es tut schon weh.

Otto Kresch

Manche sind ja seit Jahrzehnten dort, Sie kennen die Leute persönlich.
Ja freilich, und natürlich ist es mir nicht egal, was aus ihnen wird.

Können Sie die Entwicklung nachvollziehen?
Remus lebt ja noch weiter, aber leider nicht mehr im Bärnbacher Stammwerk, sondern nun im ehemaligen Sebring-Werk in Voitsberg. Aufgrund dessen, dass in Bosnien die Lohn- und Produktionskosten um einiges geringer sind, kommt es in Teilbereichen zur Auslagerung. Ich bin aber überzeugt, dass es Remus in Voitsberg noch sehr lange geben wird.

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Ich bin überzeugt, dass es Remus in Voitsberg noch sehr lange geben wird

Otto Kresch

Produktionsverlegung ins Ausland, ist das etwas, das Sie grundsätzlich gutheißen?
Das ist eine schwierige Frage, ich hatte ja selbst eine Firma in Bosnien. Aber grundsätzlich ist es eine Entwicklung, die schon bedenklich ist. Der österreichische Staat sollte sich dazu etwas einfallen lassen.

Christa Blümel
Christa Blümel
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