08.08.2021 22:53 |

Hunderte Einsätze

Unwetter am Wochenende, Blitz-Stakkato in Wien

Keinen ruhigen Abend und auch keine ruhige Nacht hatte es für die Einsatzkräfte in Österreich am Samstag gegeben. Erneut waren mehrere Bezirke in Oberösterreich von heftigen Unwettern mit überaus starken Sturmböen heimgesucht worden, mehr als 700 Einsätze waren die Folge. Auch in Salzburg waren die Helfer gefordert. Vorbei war es mit Gewitter, Starkregen und Hagel allerdings auch am Sonntag nicht. Ausgehend von der nördlichen Obersteiermark und dem Mostviertel zogen Gewitterzellen Richtung Osten. Am Abend erreichten sie auch Wien. Dramatische Folgen hatte am Nachmittag ein Murenabgang im Zillertal - etwa 100 Menschen saßen auf Berghütten fest, nachdem ein Forstweg weggerissen worden war.

Starkregen und ein wahrer Blitz-Stakkato waren in den späten Abendstunden auch in der Bundeshauptstadt die Folge. Insgesamt zählte die Unwetterzentrale 81 Entladungen. Einer davon traf auch den Donauturm, wie man im Tweet unten sieht.

Vor allem die Feuerwehren der drei Innviertler Bezirke Braunau, Ried und Schärding waren am Samstagabend schwer gefordert. Zahlreiche Bäume waren umgestürzt und blockierten Straßen, Häuser waren von kräftigen Sturmböen abgedeckt worden sowie Muren niedergegangen. Zu insgesamt mehr als 700 derartigen Einsätzen galt es auszurücken, etwa 2500 Feuerwehrleute hatten bis in die Nachtstunden alle Hände voll zu tun. 

Notarztteam in Nöten
Höchst dramatisch präsentierte sich ein Einsatz in Ranshofen. Einem Notarztteam mit einem zu reanimierenden Patienten war der Weg zum Krankenhaus versperrt, da mehrere Bäume umgestürzt waren und die Straße blockierten. Auf den Seen mussten Wasserretter ebenfalls eingreifen. Mehrere Schwimmer sowie Besatzungen von Booten hatten nicht mehr rechtzeitig das Ufer erreichen können und mussten gerettet werden.

Rettungseinsätze auf Salzburger Seen
Derartige Einsätze gab es auch in Salzburg. Schwerpunkt war der Flachgau. Die Wasserrettung rückte zu zahlreichen Personenrettungen und Bootsbergungen aus. Im Minutentakt trafen die Alarmierungen der Rettungsleitstelle von den verschiedenen Seen ein, berichtete die Wasserrettung in einer Aussendung. Auch die Feuerwehren mussten ausrücken. 640 Mann von insgesamt 33 Wehren mussten rund 200 Einsätzen in ganz Salzburg abarbeiten.

Auch dabei galt es vorwiegend, Vermurungen zu beseitigen, Keller auszupumpen und umgestürzte Bäume zu entfernen, sagte Josef Hoffmann vom Landesfeuerwehrkommando am Sonntag zur APA.

Warnungen für Tirol
Auch in Tirol gab es am Samstagabend Gewitter mit Starkregen, die die Pegel wieder ansteigen ließen und zu zahlreichen Einsätzen führten. Im Kaiserwinkl im Tiroler Unterland stürzten Bäume auf eine viel befahrene Straße. Im Valsertal (Bezirk Innsbruck-Land) ging einmal mehr eine Mure ab. Einen Felssturz gab es im Pitztal - und in Fiss (Bezirk Landeck) ging ein Bach über und sorgte für eine Überschwemmung.

Dritter Murenabgang in einer Woche im Valsertal
Zum dritten Mal innerhalb von nur einer Woche musste im Valsertal (Bezirk Innsbruck-Land) der Abgang einer Mure gemeldet werden - mit schweren Folgen: Auf einer Länge von etwa zehn Metern war die Valser Straße (L230) mit Geröll zugeschüttet, damit war das hintere Valsertal vorerst nicht erreichbar.

Orkanböen mit bis zu 121 km/h
Neben Gewitter und Hagel waren bei den Unwettern am Samstag vor allem starke Sturmböen ein großes Thema. So wurde etwa im oberösterreichischen Reichersberg 121 km/h gemessen, wie die Unwetterzentrale berichtete.

Appell an Tiroler Bevölkerung
Doch vorbei war es mit Niederschlag und Sturm noch nicht - für den Sonntagnachmittag kündigten sich erneut Unwetter mit teils kräftigen Regenschauern und auch Hagel an. Vermurungen und Überschwemmungen waren nicht ausgeschlossen, weshalb etwa seitens der Tiroler Landeseinsatzzentrale ein Appell an die Bevölkerung gerichtet wurde. „Die Pegelstände haben bereits zum Teil die Marke eines fünfjährlichen Hochwassers überschritten", so Elmar Rizzoli von der Landeseinsatzleitung. Die Situation werde laufend beobachtet - dennoch sei die Bevölkerung aufgerufen, unnötige Fahrten und Spaziergänge zu vermeiden, Wasserabläufe und Kellerschächte abzudecken.

100 Menschen saßen auf Berghütten fest
Wie befürchtet, kam es am Nachmittag tatsächlich im Zillertal zu einem Murenabgang, der weitreichende Folgen hatte. Geröll- und Schlammmassen rissen einen Forstweg weg, etwa 100 Menschen, die sich auf umliegenden Berghütten befanden, waren eingeschlossen. 

Wetterberuhigung erst in der Nacht
Nach Angaben der Unwetterzentrale muss an der Alpennordseite und im Nordosten auch noch in der Nacht auf Montag mit schauerartigem Regen gerechnet werden. Ab Montag kommt es zu einer Wetterberuhigung. Diese hält die kommenden Tage an.

Die Unwettergefahr sei „in den nächsten Tagen gering“, so die Wettexperten der Unwetterzentrale. Über ein Sommer-Comeback inklusive Badewetter darf man sich besonders im Flachland freuen.

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