„Diese Medaille ist das Größte, das es gibt!“ Von der personifizierten Ruhe war plötzlich keine Spur mehr. Olympia-Silber - da kochten auch bei Michaela Polleres die Emotionen über. Den Tränen nahe umarmte sie Trainerin Yvonne Bönisch, jubelte Richtung ihrer Teamkollegen, die mit einer Österreich-Flagge auf der Tribüne des Budokan feierten. Einen Tag nach Shamil Borchashvilis Bronze-Erfolg übertraf die Niederösterreicherin ihn noch und holte Silber. Insgesamt war es die siebente Judo-Olympiamedaille Österreichs!
„Das ist unbeschreiblich“, stammelte Polleres, „meine Gefühle gehen drunter und drüber.“ Obwohl sie normal als „Ruhepol“ gilt. Gestern half Polleres diese mentale Stärke. „Ich konnte den Trubel gut ausblenden.“ Und auch den Druck. Denn im Gegensatz zu Borchashvili hatte sie zu den Favoritinnen gezählt. Nur anfangs merkte man Michi die Nervosität an. In Runde zwei hätte ihr Turnier gegen Sengyeon Kim (Kor) enden können, doch dann kam Polleres in Schwung.
Sieg über Nummer eins
Erst besiegte sie die Weltmeisterin Barbara Martic (Slo), womit ihr die Revanche für das WM-Semifinale gelang. „Und dieser Sieg hat mich befreit“, erzählt Polleres, die mit einem Erfolg über die als Nummer eins gesetzte Sanne van Dijke (Hol) endgültig die Medaille fixierte. Erst Lokalmatadorin Chizuru Arai war im Endkampf in der Klasse bis 70 kg zu stark. „Sicher ist etwas Wehmut dabei, dass es nicht zu Gold gereicht hat, aber Silber ist Wahnsinn.“ Denn, so gestand Polleres: „Der Druck war schon da. Auch wenn ich es ganz gut geschafft habe, ihn nicht an mich heranzulassen.“ Nachsatz: „Ich bin echt stolz, wie gut ich gekämpft habe.“ Ganz Österreich ist es auf sie!
Abendliche Sektdusche
Am meisten wohl ihre Eltern, Schwester Dani und Freund Raphael, mit denen sie abends telefonierte. Sowie ihr Trainer Andi Zeltner, der Polleres seit ihrem achten Lebensjahr im Judo betreut. Zeltner hatte seit Monaten alle möglichen Gegnerinnen analysiert.
„Diese Medaille ist das Größte, das es gibt“, jubelte Michi. Doch da tönte Magdalena Krssakova von hinten: „Es gibt ja noch Gold.“ Da stellte die Teamkollegin die „Aufgabe“ für Paris 2024. Und gemeinsam mit Sabrina Filzmoser verabreichte sie dem Silbermädchen abends noch eine Sektdusche.
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