20.07.2021 13:27 |

Wirtschaft atmet auf

Industrie erklärt die Corona-Pandemie für beendet

Die Industriellenvereinigung hat die Pandemie aus ökonomischer Sicht für beendet erklärt, auch wenn dies aus gesundheitlicher Sicht noch nicht der Fall ist. Im laufenden dritten Quartal werde die Volkswirtschaft im Durchschnitt wieder ihr Vorkrisenniveau erreichen, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Bremsen könne der Facharbeitermangel und eine Nicht-Umsetzung fix geplanter Infrastrukturvorhaben. Die IV rechnet heuer mit einem BIP-Wachstum von 3,5 bis vier Prozent.

Neumayer forderte am Dienstag in Wien stabile Rahmenbedingungen für Unternehmen und ihre Beschäftigten, um das Wachstum und den Job-Aufbau nachhaltig zu stärken. Diskussionen über eine Arbeitszeitverkürzung - Stichwort: Viertagewoche - oder über eine Neu-Evaluierung wichtiger, bereits geprüfter Infrastrukturvorhaben seien hierfür nicht dienlich. Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) lässt große Vorhaben schließlich evaluieren. Alleine durch die Baustopps der Linzer Autobahn A26 oder der Wiener Außenringschnellstraße S1 würden 27.500 Arbeitsplätze gefährdet.

Eine „massive Herausforderung“ stelle das vergangene Woche von der EU-Kommission vorgestellte „Fit-for-55“-Klimapaket dar. „Die österreichische Industrie ist Ermöglicher der Klimatransformation“, betonte Neumayer. Es werde sich „nicht ausgehen, dass die EU Schutzzölle einführt, CO2-Freizertifikate aber auslaufen lässt. Wir werden beides brauchen.“ Der jetzige Plan der Kommission „reicht nicht, um eine Abwanderung der energie- und emissionsstärkeren Betriebe zu verhindern“.

„In der Industrie wurde diese Marke sogar schon Ende des ersten Quartals passiert“, erklärte Neumayer weiters zum Erreichen des Vorkrisenniveaus. Dementsprechend erreicht die konjunkturelle Erholungsdynamik in der Industrie während der Sommermonate bereits ihren Plafond, dessen Niveau laut IV-Chefökonom Christian Helmenstein länger gehalten werden könne - vorausgesetzt es würden keine wirtschaftspolitischen Fehler gemacht und etwa die großen Infrastrukturvorhaben umgesetzt.

Der Auftragsbestand ist „hochfavorabel“, so Helmenstein. Dass der Plafond in der Industrie über den Sommer erreicht wird, liegt an Engpässen bei der Verfügbarkeit bestimmter Vorprodukte, insbesondere Halbleitern. Der Markt für Baumaterialien entspannt sich laut dem Ökonomen hingegen allmählich. Fürs Winterhalbjahr ist in weiterer Folge eine zyklustypische Abschwächung der Aufwärtsdynamik zu erwarten.

Arbeitskräfte von Tourismus in Industrie abgewandert
Weiter von der Krise betroffene Branchen sind laut IV der Luftfahrtsektor mit allen Bereichen die an diesem hängen, die Freizeit- und Unterhaltungswirtschaft, Lebensmittelindustrie mit Brauereien und die Gastronomie bzw. Teile des Tourismus. Zum Teil sind schon Arbeitskräfte aus dem Tourismus in die Industrie abgewandert, die mit einem höheren Lohnniveau und für viele angenehmeren Arbeitszeiten winkt.

USA und China kurbeln globale Wirtschaft an
Auf globaler Ebene gebe es auch schon seit Monaten einen Aufschwung - bei einem realen Wachstum der Weltwirtschaft von sechs Prozent im Jahr 2021 handle es sich um die stärkste Expansion innerhalb von fünf Dekaden. Stärker ist die Weltwirtschaft den Angaben zufolge zuletzt im Jahr 1973 gewachsen. Getragen werde die globale Erholung von den beiden weltgrößten Volkswirtschaften, den USA und China (siehe Video oben), welche gemeinsam rund die Hälfte des gesamten globalen BIP-Zuwachses auf sich vereinigten, während die EU 14 Prozent zum globalen Wachstum beitrage.

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig
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