31.05.2021 07:35 |

Rauchen und Corona

„Erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf“

Heute, Montag, ist Weltnichtrauchertag: Lungenfacharzt Bernhard Puchner vom Reha-Zentrum Münster in Tirol über die vielen negativen Auswirkungen des Rauchens, Gefahren in der Corona-Zeit und Anlaufstellen für die Raucherentwöhnung.

„Krone“: Herr Puchner, dass Rauchen ungesund ist, weiß jeder. Die Dimensionen können sich viele aber nicht so richtig vorstellen. Sie sind in Ihrer Arbeit jedoch täglich mit den Folgen konfrontiert.
Bernhard Puchner: Ja, Rauchen ist für faktisch jede Indikation, die im Reha-Zentrum Münster rehabilitiert wird, ein großer Risikofaktor. Hier sprechen wir von Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologischen Störungen und das große Spektrum der Onkologie.

Wie schaut es mit dem Covid-Risiko von Rauchern aus?
Es ist erwiesen, dass sie ein höheres Risiko für eine schwere Erkrankung haben. Vor allem dann, wenn bereits Folgeschäden vorhanden sind. Auch bei der Corona-Therapie sind Raucher im Nachteil, weil eine Beatmung schwieriger ist.

Eine Studie aus Italien legt sogar den Schluss nahe, dass Raucher nach der Impfung weniger Antikörper bilden und damit weniger gut geschützt sind.
Diese Studie basiert auf nur wenigen Fallzahlen. Daher scheint sie mir so nicht aussagekräftig.

Am Montag ist Welt-Nichtrauchertag. Sehen Sie Fortschritte auf dem Weg zu einer rauchfreien Gesellschaft?
In Industrieländern zeigt die Aufklärung der vergangenen Jahre Wirkung. In vielen Staaten geht die Zahl der Raucher zurück. Weniger erfreulich ist die Entwicklung in ärmeren Ländern. Ein offener Umgang mit dem Thema ist wichtig, Information der Schlüssel zum Umdenken.

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Wichtig ist die psychologische Raucherentwöhnung. Schließlich sprechen wir von einer Sucht.

Lungenfacharzt Bernhard Puchner

Gibt es in Tirol genug Hilfestellungen für die Raucherentwöhnung?
Es gibt zum Beispiel Programme der Sozialversicherungen, die Suchthilfe Tirol oder das Rauchfrei-Telefon. Auch wir bieten den Patienten in der Reha Hilfestellungen an. Wichtig ist die psychologische Raucherentwöhnung. Schließlich sprechen wir von einer Sucht. Man muss wissen, dass der Entwöhnungsprozess dauert und dass Rückschläge möglich, in vielen Fällen wahrscheinlich sind.

Was würden Sie jemandem raten, der es jetzt angehen will?
Natürlich kann man es alleine schaffen. Das tun viele. Aber neben den bereits genannten Organisationen sind der Hausarzt oder ein Facharzt eine gute Anlaufstelle. Sie können über unterschiedliche Methoden informieren. Beim Einsatz von Nikotin-Ersatzpräparaten besser einen Arzt fragen.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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