27.05.2021 21:44 |

Willentliche Schikane?

Russland verweigert Austrian-Flug nach Moskau

Russland hat am Donnerstag einem Linienflug der Austrian Airlines (AUA) nach Moskau die Genehmigung verweigert. Aufgrund der Empfehlung der EU-Agentur für Luftsicherheit, den Luftraum über Weißrussland zu meiden, sollte der Flugplan geändert werden - die Behörden in Russland bewilligten die Route jedoch nicht, weshalb der Flieger am Boden blieb. „Die russische Reaktion ist für uns absolut nicht nachvollziehbar“, erklärte das Außenministerium in einer ersten Reaktion.

Konkret betroffen ist der Flug OS601, der am Donnerstagvormittag von Wien nach Moskau hätte stattfinden sollen. „Eine Änderung von Flugrouten muss behördlich genehmigt werden. Die russischen Behörden haben uns diese Genehmigung nicht erteilt“, erklärte eine Sprecherin der AUA.

Auch ein Cargo-Flug betroffen
Wie am späten Donnerstagnachmittag bekannt wurde, war Wien-Moskau nicht der einzige von russischen Schikanen betroffene Flug von Austrian. Auch die für Donnerstag geplante Cargo-Verbindung aus Wien in das chinesische Nanjing musste aus den gleichen Gründen wie OS601 gecancelt werden, bestätigte eine Sprecherin der österreichischen Fluggesellschaft. Laut dem Informationsdienst Flightradar fällt deshalb am Freitag auch der Linienflug OS6030 von Nanjing nach Wien aus.

Gleichzeitig konnte sie keine Angaben darüber machen, ob auch weitere geplante AUA-Flüge mit dem gleichen Problem konfrontiert sein könnten. Im für Zivilluftfahrt zuständigen Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) sei man über die Situation informiert, bestätigte ein Ministeriumssprecher.

Noch am Montag hatte ein AUA-Flug nach Moskau und retour nach Wien problemlos Weißrussland umfliegen können, dafür waren auch die nötigen Bewilligungen erteilt worden. Am Mittwoch und auch am Donnerstag wurden jedoch Air-France-Flüge von Paris nach Moskau gecancelt, nachdem keine russische Genehmigung erteilt worden war.

Weißrussland wird „bis auf Weiteres“ umflogen
Als Reaktion auf die Zwangslandung eines Ryanair-Flugs aus Athen nach Vilnius in Minsk hatte die EU Einschränkungen für den zivilen Flugverkehr verkündet. Die Fluggesellschaften mieden seit Montag den Luftraum über Weißrussland. Auch vonseiten der AUA hieß es, der weißrussische Luftraum werde „bis auf Weiteres“ umflogen und Minsk derzeit nicht angeflogen.

Die Behörden des autoritär geführten Landes hatten am Sonntag das Ryanair-Flugzeug mithilfe eines Kampfjets zur Landung in Minsk gezwungen - angeblich wegen einer islamistischen Bombendrohung der im Gazastreifen herrschenden Hamas. Ein Hamas-Sprecher wies dies jedoch als „absurd“ zurück. Ziel der Aktion war offensichtlich, den regierungskritischen Blogger Roman Protassewitsch, der sich an Bord der Maschine befand, festzunehmen.

Schallenberg fordert „Klarstellung“
Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) forderte Russland dringend dazu auf, „hier für eine Klarstellung zu sorgen und den freien Luftverkehr zwischen Russland und Europa nicht künstlich zu behindern“. Es sei sowohl im österreichischen als auch im russischen Interesse, dass alle Flüge nach und über Russland weiterhin problemlos durchgeführt werden können.

„Die Aufforderung des Europäischen Rats an alle Fluggesellschaften mit Sitz in der EU, Flüge über Belarus zu vermeiden, war eine Reaktion auf den beispiellosen Akt der brutalen Luftpiraterie vom vergangenen Wochenende. Hier ging es um legitime Sicherheitsbedenken der EU“, hieß es in der Stellungnahme weiter. „Diese liegen im Fall von Flugverbindungen nach und über Russland nicht vor. Die russische Reaktion steht also in keinem Verhältnis dazu.“

Russische Botschaft gesprächsbereit
Die Moskauer Zeitung „RBK“ deutete am Donnerstagabend eine baldige Lösung an. Mit Verweis auf einen anonymen russischen Branchenvertreter berichtete sie online von einer laufenden Beratung in der Zivilluftfahrtbehörde Rossawiazii, bei der die Genehmigung veränderter Flugrouten europäischer Fluggesellschaften unter Umgehung Weißrusslands besprochen werde.

Eine weitere anonyme Quelle aus dem Umfeld des russischen Verkehrsministeriums versicherte der Zeitung zudem, dass mit einer baldigen Genehmigung zu rechnen sei. Er begründete die Verzögerung damit, dass neue Routen erarbeitet hätten werden müssen.

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