27.05.2021 10:55 |

Impfkoordinator sagt:

„Wir wollen so viele wie möglich impfen“

Sebastian Wöß (38) ist der Impfkoordinator des Landes. Was alles nötig ist, damit die Impfstraßen so reibungslos funktionieren, wollte „Krone“-Redakteurin Sandra Nemetschke von ihm wissen.

Krone: Welche Aufgaben hat denn der Impfkoordinator des Landes Vorarlberg?

Sebastian Wöß: Der Bund, also das Gesundheitsministerium, teilt den Bundesländern die Impfstoffe zu, die dann unter verschiedenen Zielgruppen aufgeteilt werden. Diese wurden vorher nach bestimmten Vorgaben definiert - so gab es beispielsweise die Kategorie Pflegepersonal. Zudem werden die Impftermine geplant und Menschen dazu eingeladen.

Das war zu Beginn sicher nicht einfach, da es ja zu Lieferengpässen kam?

Genau, es gab zu wenig Impfstoff, deshalb mussten wir sehr dynamisch und flexibel reagieren. Wir haben zu Beginn auch nur sehr spontan Menschen zur Impfung eingeladen - also dann, wenn wir sicher gehen konnten, dass die benötigten Mengen auch tatsächlich geliefert werden. Langsam aber kommen wir in eine Phase, in der die Liefermengen recht konstant sind. Natürlich hätten wir gerne noch mehr, um jeden sofort impfen zu können, der es möchte.

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Zu Beginn kam es schon immer wieder vor, dass Leute am Abend vorbei gekommen sind und sich nach übrigen Dosen erkundigt haben.

Sebastian Wöß

Wie läuft die Logistik ab?

Die Logistik wird über den Pharmagroßhandel abgewickelt, der auch Apotheken mit Medikamenten beliefert. Das Land Vorarlberg hat einen E-Shop-Zugang und kann das dort zur Verfügung stehende Kontingent bestellen - ähnlich wie in einem herkömmlichen Onlineshop. Wir sehen, was verfügbar ist und stimmen uns mit den zuständigen Ärzten, also den Leitern der Impfzentren, und dem administrativen Personal des Roten Kreuzes ab. Mit den bestellten Mengen werden dann die Impfzentren bespielt.

Auf was muss bei der Logistik geachtet werden? Die Impfstoffe müssen doch besonders kühl gelagert werden?

Biontech/Pfizer und Moderna werden im tiefgekühlten Zustand im Pharmagroßhandel gelagert. Wenn unsere Bestellung erfolgt, geht alles Schlag auf Schlag. Der Impfstoff wird aufgetaut und in Kühlschranktemperatur bei uns angeliefert. Darum müssen wir die beiden mRNA-Impfstoffe auch recht schnell verimpfen. Was neu ist: Man war der Meinung, dass Biontech/Pfizer nur 120 Stunden, also fünf Tage haltbar ist. Inzwischen weiß man aber, dass er doch länger intakt bleibt. Dennoch verimpfen wir die Vakzine alle exakt nach Vorgabe. Gelagert werden die Impfdosen in überwachten Kühlschränken, damit wir über einen Alarm verständigt würden, falls die Kühlung ausfallen sollte. Bis jetzt ist aber alles gut gegangen.

Was waren die Herausforderungen bei der Planung der Impfstraßen?

Wir wollen ja in sehr kurzer Zeit so viele Menschen wie möglich impfen. Um etwa an nur einem Tag 5000 Menschen durch die Impfstraße in Dornbirn zu schleusen und dabei noch alle Coronaregeln und Wartezeiten einhalten, braucht es eine entsprechende Infrastruktur. In unserem Team haben wir große Unterstützung von Dr. Robert Spiegel, dem Coronabeauftragten der Ärztekammer, erhalten. Er hat seine Erfahrungen eingebracht, die er auf der ganzen Welt in Krisensituationen gewonnen hatte. Natürlich lässt sich das nicht eins zu eins vergleichen, an die Dimensionen haben wir uns langsam herangetastet. Wenn ich mich an die holprigen Anfänge im Jänner erinnere, haben wir uns ordentlich verbessert. Und auch die Rückmeldungen sind sehr positiv.

Sollen die Impfstraßen auch in Zukunft beibehalten werden?

Parallel zu den Impfstraßen läuft schon ein Pilotprojekt mit dem niedergelassenen Bereich. In fünf Ordinationen wird getestet, wie wir das System adaptieren und dann ausbauen können. Dennoch wissen wir heute nicht, welche neuen Herausforderungen die Zukunft bringt - Richtung Herbst beispielsweise. Da es ein sehr dynamisches Feld ist, kann niemand sagen, wohin die Reise genau geht.

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Bevor etwas in den Müll geworfen wurde, hat man es - wie vom Impfgremium empfohlen - verimpft. Zugegeben, das hat für eine schiefe Optik gesorgt.

Sebastian Wöß

Gab es Menschen, die Sie um eine Vorreihung bei der Impfung gebeten haben?

Nein. Aber als ich zu Beginn in den Impfzentren mitgeholfen habe, kam es schon immer wieder vor, dass Leute am Abend vorbei gekommen sind und sich nach übrigen Dosen erkundigt haben.

Was passiert denn, wenn einmal eine Impfung übrig bleibt? Zu Beginn gab es ja den einen oder anderen „Impfdrängler“, der eine Dose abgestaubt hat.

Das war auch eines der Learnings. Grundsätzlich werden die Impfstoffe in Mehr-Dosen-Behältnissen gekühlt und aufbewahrt und sind sehr instabil, wenn sie einmal einsatzbereit sind. Zu Beginn hat man die Ergiebigkeit noch nicht exakt abschätzen können. Und bevor etwas in den Müll geworfen wurde, hat man es - wie vom Impfgremium empfohlen - verimpft. Zugegeben, das hat für eine schiefe Optik gesorgt. Heute haben wir daher auf der Vormerk-Plattform Back-up-Listen. Menschen, die an der Reihe sind, werden kurzfristig angerufen.

Verstehen Sie, wenn man sich nicht impfen lassen will?

Es ist gut, wenn man sich mit dem Thema Impfung auseinandersetzt. Schlussendlich muss jeder seine eigene Entscheidung treffen. Ich habe mich für die Impfung entschieden, weil ich einen Beitrag im Kampf gegen die Pandemie und für die Gesellschaft leisten möchte, aber man sollte niemanden dazu zwingen.

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