12.05.2021 13:55 |

Chantal Dorn

„Grenzen lasse ich mir nur vom Leben setzen“

Chantal Dorn hat ihr erstes Solo-Album veröffentlicht. Mit einem Song aus „Feuerfest“ hat sie sogar schon die Charts gestürmt. Im Interview spricht die vielseitige Künstlerin über Grenzen, Promoter und Covid.

Krone: Du hast Dein erstes Solo-Album veröffentlicht, wie glücklich macht es Dich?
Chantal Dorn: Ich bin absolut happy damit. Jedes der darauf veröffentlichten Lieder hat etwas mit mir zu tun. Und ich denke, dass sich auch die Hörer darin immer wieder finden werden. Es sind eben Geschichten aus dem Leben.

Welche Zielgruppe willst Du mit dem Album erreichen?
Natürlich muss man zuerst wissen, für wen man das überhaupt macht. Es soll ja kein Album für den Schrank sein - das wäre nämlich auch günstiger gegangen. Was will ich, wen will ich erreichen? Das müssen die ersten Fragen sein. In meinem Fall sind es Menschen Mitte 30 aufwärts. Also Menschen, die schon ein gelebtes Leben haben, erwachsen sind und in ihrer Entwicklung so gereift sind, dass sie nicht mehr alles als Tragödie sehen. Auf manches kann man mittlerweile mit einem Augenzwinkern zurücksehen, das ist auch eine Gnade des Älterwerdens: Man wird versöhnlicher.

Obwohl das Album durchaus den Charme des Melancholischen hat.
Das ist eine Grundhaltung, die mir sehr nahe ist. Aus dem entspringt auch viel Schönes. Ich finde auch, dass es mutig ist, Privates preiszugeben und nicht einfach eine Mauer zu bauen und etwas darzustellen, das man gar nicht ist. Insofern habe ich mich auch in gefährliches Terrain gewagt. Man ist öffentlich und gibt die eigene Seele preis. Es gibt kein Sicherheitsnetz. Mir macht das aber nichts aus, denn in dieser Authentizität fühle ich mich am wohl.

Das Album ist noch ganz frisch, aber du bist bereits in die Charts eingestiegen. Wie?
Das ist wirklich keine Selbstverständlichkeit. Ein Riesenglück. „Es ist immer jetzt“ läuft in verschiedenen Bundesländern in Österreich, in Liechtenstein, Belgien, Holland und Deutschland. Der Song hat bei MDR zwei Wochen lang Platz 1 gehalten, war acht Wochen in den Charts. Dieser Sender hat mit 1,4 Millionen Hörer eine enorme Reichweite. Das hat mich unglaublich gefreut, ich habe unzählige Zuschriften bekommen, auch auf Social Media merkt man das. Die Leute wurden durch diesen Song in der Krise richtig angespornt.

Wie wird eine Radiostation überhaupt auf eine neue Single aufmerksam?
Ohne Promoter geht gar nichts, ich habe ein großes Team: Eine Projektmanagerin in Hamburg, eine Pressedame in Hamburg, Social Media in München, ein Promoter in Berlin, einer in Österreich - das ist ein Tross, den man braucht, um alles in die richtigen Kanäle zu leiten. Alleine wäre das gar nicht möglich. Es ist wahnsinnig viel Arbeit, fängt schon früh an und kostet einen Haufen Geld.

Das Projekt soll ja wohl auch Geld abwerfen. Wie sieht es da aus, du hast ja einiges investiert?
Ja, ich habe sehr viel investiert. Gott sie dank habe ich das Glück, ein starkes Management zu haben. Aber eines ist klar: Man braucht Konsequenz und einen langen Atem. Ohne dem kommt man bis zur Veröffentlichung und das war’s dann. Es dauert, bis sich die Investments wieder lohnen. Und man darf nicht lockerlassen, ein Fulltime-Job.

Wie kräftezehrend ist diese Arbeit?
Ich hatte schon einige schlaflose Nächte, doch ich wollte nicht aufgeben. Auch nach meiner Coronaerkrankung nicht, die mich extrem geschlaucht hat. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt nur noch 46 Kilogramm. Bei einem solchen Projekt muss auch alles ineinanderlaufen, Verzögerungen und Ähnliches kosten einfach. Phasenweise dachte ich, dass ich mir einfach nur die Decke über den Kopf ziehen will und nichts mehr sehen und hören will. Einfach nur gemütlich einen Kaffee trinken und den ganzen Tag im Pyjama bleiben. Aber letztlich ist man so gespannt und hungrig, dass man einfach weitermacht. Sich selbst Auszeiten zu gönnen, ist nicht vorgesehen. Dafür kommt man dann auch weiter.

Dein Ziel werden aber wohl auch Auftritte vor Publikum sein?
Live zu spielen ist wie essen und trinken. Nahrung, die man braucht, um leben zu können. Das war auch der Grund, warum wir zur Veröffentlichung im Freudenhaus gespielt haben, ohne Publikum. Allein das Gefühl, wieder auf einer anständigen Bühne zu stehen, mit Scheinwerfern und einer guten Tontechnik, das war schon ein wunderbares Gefühl. Im September gibt es den nächsten Termin. Alles andere ist sehr vage. Man wird eingeladen, man wird ausgeladen. Corona eben.

Was willst Du mit deinem Album noch erreichen?
Ein Achtungserfolg war mir sehr wichtig. Das ist mit der Chartplatzierung auch gelungen. Es stehen ja so viele Künstler mit ihren neuen Songs und Alben in den Startlöchern. Sie warten, bis nach Corona alles wieder losgeht. Ich wollte aber nicht warten, sondern wollte in dieser toten Phase starten. Jeden Tag kommen 1000 Songs raus, die Redaktionen sind voll mit Muster-CDs, die geschickt werden. Die Redakteure haben ja gar keine Zeit mehr, sich das alles anzuhören. Selbst wenn man das schönste Album hat - ohne Promoter landet das bei einer Weihnachtstombola. Und nach dem Achtungserfolg heißt es: Nachlegen! Ich bin schon wieder an neuen Dingen dran.

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Ich habe mein ganzes Leben lang die Pflicht gemacht und immer wieder eine Kür eingelegt. Generell gilt: Ich lasse mir ungern Grenzen setzen.

Chantal Dorn

Viele sagen: Was man bis 30 nicht geschafft hat, wird auch nicht mehr. Was sagt Dir das?
Wenn ich noch Astronaut werden will, dann habe ich den Zeitpunkt verpasst. Aber wer sagt sowas überhaupt? Man muss sich einfach fragen, was man erreichen will. Ich will mein inneres Kind leben. Ich habe mein ganzes Leben lang die Pflicht gemacht und zwischendurch eine Kür eingelegt. Ganz generell gilt: Ich lasse mir ungern Grenzen setzen. Das Leben setzt mir die Grenze, aber solange ich Lust und Hunger habe, etwas zu bewegen, ist alles im grünen Bereich. Ich will am Ende meiner Tage nicht im Bett liegen und bereuen, was ich alles nicht gemacht habe. Ich machs einfach. Und ich ziehe den Hut vor Menschen, die etwas wagen und vielleicht auch scheitern. Anders ist das bei jenen, die nur an ihre Sicherheit denken, sich auf die Schulter klopfen und meinen, immer alles richtig gemacht zu haben. Da denke ich mir: Wie schade eigentlich!

Angelika Drnek
Angelika Drnek
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