23.04.2021 10:55 |

Schönste Wanderrouten

Der kleine Dschungel nahe des Bodensees

Das Rheindelta ist ein Refugium für die unterschiedlichsten Tier- und Pflanzenarten - und zudem das älteste Naturschutzgebiet des Landes. Auf einem Ausflug dorthin lässt sich viel Spannendes entdecken.

Dort, wo der Rhein in den Bodensee fließt, befindet sich das artenreichste Naturschutzgebiet Vorarlbergs. Das Rheindelta mit seinen Halbinseln, Feuchtgebieten und Auwäldern ist ein wahres Refugium für verschiedenste Wildtiere und Pflanzen. Das Gebiet erstreckt sich von Gaißau bis nach Hard. Dieser Naturraum gilt als eines der bedeutendsten europäischen Brut- und Rastgebiete für zahlreiche Vogelarten. Die Gegend sollte daher mit entsprechender Achtsamkeit vor der Natur erkundet werden. Ein Ausflug lohnt sich bei jedem Wetter, denn es gibt immer etwas zu entdecken. Im Sommer bietet sich zudem die Möglichkeit, an den frei zugänglichen Stränden am Rheinspitz schwimmen zu gehen.

Duftender Bärlauch und zarte Blüten
Startpunkt der heutigen Tour ist der Parkplatz Rheinholz in Gaißau. Zunächst geht es ein Stück der Forststraße entlang durch den Wald. Den Boden bedeckt ein sattgrüner Teppich aus würzig duftendem Bärlauch. Die zarten Blüten der Buschwindröschen schauen fast allerorts aus dem Unterholz. In Zweigen und Gebüsch tummeln sich Vögel, die jetzt im Frühjahr ein vielstimmiges Konzert geben. Bald haben Wanderer die Möglichkeit, nach links auf einen schmalen Pfad abzuzweigen und diesem entlang des Damms des Alten Rheins zu folgen.

Ein kleiner Dschungel
Wie in einem kleinen Dschungel wachsen und gedeihen hier die Pflanzen. Frühblühende Sträucher bieten Insekten eine wichtige Nahrungsquelle. Zu solch einer nützlichen und wilden Schönheit zählt der dornenreiche Schlehdorn. Seine weißen Blüten erscheinen zwischen März und April noch vor dem Laubaustrieb. Dadurch lässt sich die Schlehe jetzt auch gut vom Weißdorn unterscheiden, dessen Blüten erst nach den Blättern gebildet werden.

Glaube an Schutz vor Hexen
Der Name der Schlehe ist wohl auf die Farbe der Frucht zurückzuführen und dürfte sich von dem indogermanischen Wort „(s)li“ ableiten, was „bläulich“ bedeutet. Denn die zu den Rosengewächsen gehörende Pflanze bildet blauschwarze, kugelige Früchte, die ab September reifen. Mithilfe der Schlehe wurde früher der ideale Erntezeitpunkt errechnet: Die Tage, die zwischen dem Erblühen des Gewächses und dem Georgi-Tag (23. April) lagen, wurden gezählt, um den besten Termin für die Getreideernte zu bestimmen. Der dornenreichen Pflanze wurde im Volksglauben zudem eine Schutzwirkung gegen Hexen zugeschrieben, weshalb in vergangenen Zeiten Weiden und Höfe oftmals mit Schlehen umpflanzt wurden. Fakt ist, dass der Schlehdorn zu einem der wichtigsten Wildsträucher für Tiere zählt. So dient dieser beispielsweise zahlreichen Schmetterlingen als Nektarquelle. Auch der farbenprächtige Goldglänzende Rosenkäfer knabbert gerne an Blütenblättern und Pollen der Pflanze. Unter den Zweigen der Schlehe geht es weiter den Pfad entlang. 

Baumeister der Natur
In Wassernähe können Spaziergänger Hinweise auf einen bemerkenswerten Baumeister der Natur finden - den Biber. Angenagte Baumstämme und geschälte Äste zeugen von der Nahrungssuche des großen Nagers während der kargen Wintermonate. Nachdem die Tiere über 350 Jahre lang in Vorarlberg durch Bejagung ausgestorben waren, sind sie seit 2006 wieder heimisch. Biber sind hauptsächlich nachtaktiv und hervorragende Schwimmer und Taucher. An Land wirken sie aufgrund ihres plumpen Körperbaus eher behäbig. In ihren aufwändigen Bauten, den sogenannten Biberburgen, leben die Elterntiere mit ihren Jungen. Großes Glück hat, wer einen der scheuen Nager zu Gesicht bekommt.

Wellen, Möwen und die Sonne
So geht es weiter entlang des Dammweges, am Schilfgürtel vorbei, bis sich ein toller Ausblick auf den Bodensee auftut. Hier frischt der Wind ordentlich auf, aber wenn die Sonne durchkommt, stellt sich dennoch ein fast mediterranes Gefühl ein: Wasser und Himmel erstrecken sich in verschiedenen Blauschattierungen vor dem Betrachter, das Rauschen der sich am Ufer sanft brechenden Wellen ist zu hören, und Möwen ziehen weite Kreise durch die Luft. Mit dem Fernglas lassen sich viele weitere Wasservögel beobachten, darunter Flussseeschwalben, Reiher, Kormorane, Blesshühner und Schwäne. An ausgewiesenen Plätzen kann man eine Rast mit Blick aufs Wasser einlegen. Retour geht es zunächst ein Stück dem Seeufer entlang - der Beschilderung „Rheinholz Gatter“ über Entenbad folgend - , bevor man auf den Forstweg wechselt. Im Windschutz der Bäume marschiert der Wanderer gemütlich zurück zum Ausgangspunkt der Runde.

Fakten

  • Typ: ausgedehnter Rundweg
  • Startpunkt: Parkplatz Rheinholz, Gaißau
  • Dauer: rund 2 Stunden
  • Ausrüstung: Laufschuhe, Regen/Sonnenschutz, Fernglas, eventuell Getränk
  • Wege: Forststraße, Naturpfad, Dammweg
  • Besonderheit: das Rheindelta ist das älteste Naturschutzgebiet Vorarlbergs und beherbergt eine besondere Tier- und Pflanzenwelt. Zwei Drittel der Fläche sind Wasserflächen.
Rubina Bergauer
Rubina Bergauer
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