18.10.2004 12:20 |

Bosumtwi-Krater

Meteoritenkrater liefert umfangreiche Daten

Bohrungen in einem der jüngsten Meteoritenkrater der Erde - dem Bosumtwi-Krater in Ghana - führen zu einer bisher noch rätselhaften Erkenntnis: Die durch die Hitze des Meteoriteneinschlags geformte Gesteinsschicht ist nur halb so mächtig wie erwartet. (Foto: Wissenschaftsfonds FWF)
Dies ist ein erstes Ergebnis eines großenBohrprojekts, das durch raffinierte Planung gleichzeitig neueErkenntnisse sowohl für die Geo- als auch für die Klimawissenschaftenliefern wird. Die technisch sehr schwierigen Bohrungen wurdenin den letzten Wochen von einem multi-nationalen Team unter österreichischemManagement durchgeführt. Bereits jetzt liefert dieses vomWissenschaftsfonds FWF geförderte Projekt mit 2.200 MeternBohrkern eine reiche Ausbeute an Probenmaterial.
 
Der Bosumtwi-Krater im westafrikanischen Ghana istin vielerlei Hinsicht interessant. Erstens ist er mit einer MillionJahren einer der jüngsten Einschlagskrater auf der Erde undbestens erhalten. Zweitens weist er, gemeinsam mit nur drei anderender insgesamt 170 bekannten Einschlagskratern auf der Erde, einegeologische Besonderheit auf - die obersten Gesteinsschichtenwurden während des Einschlags in Glas (so genannte Tektite)verwandelt und in bis zu 1.000 Kilometer Entfernung verstreut.
 
Klimaarchiv unter Wasser
Es ist aber ein dritter Punkt, der den Bosumtwi-Kraterbesonders interessant macht: Ein acht Kilometer großer Seefüllt den elf Kilometer umfassenden Krater. "In diesem Seehaben sich seit einer Million Jahren Sedimente abgelagert. Jenach Jahreszeit wurden Einträge durch den atlantischen Monsunoder von der Sahelzone abgelagert. Damit bietet diese Sedimentschichtein vollständiges Archiv der Klimavorgänge der letztenMillion Jahre in Westafrika", erläutert der österreichischeProjektleiter Prof. Christian Köberl vom Institut fürGeologische Wissenschaften der Universität Wien die Bedeutungdieser Besonderheit des Bosumtwi-Kraters.
 
Auf dem Grund der Tatsachen
Diese Sedimentschicht liegt nun direkt überjener Gesteinsschicht, die durch den Meteoriteneinschlag geformtwurde und damit den eigentlichen Krater ausmacht. Mit Bohrungenin den Untergrund des bis zu 80 Meter tiefen Sees könnenalso gleichzeitig Informationen über Klimavorgänge inWestafrika als auch über den Ablauf eines Meteoriteneinschlagsgesammelt werden. Genau dies tat das ForscherInnen-Team aus siebenNationen seit Juni dieses Jahres. Unter Leitung eines Kollegenaus den USA wurden zunächst Bohrkerne aus dem Sediment geborgen.Sechs dafür ausgewählte Stellen lieferten insgesamt1850 Meter Bohrkerne, die sich ideal ergänzen, sodass nunein komplettes Probenmaterial über den Aufbau der Sedimentschichtvorliegt.
 
Die wegen der abgeschiedenen Lage des Kraters logistischsehr aufwändigen Bohrungen in das Kratergestein begannenEnde August unter der Leitung von Prof. Köberl. Dazu dieser:"Um allen Anforderungen des Projekts gerecht zu werden, umfassteunser Team bis zu zehn Bohrtechniker, zehn GeophysikerInnen undallein elf Personen für die wissenschaftliche Auswertungvor Ort. Zusätzlich stellt in einem so entlegenen Gebietwie dem Bosumtwi-Krater die effiziente Koordination eines technischso anspruchsvollen Projekts eine wissenschaftliche Herausforderungder besonderen Art dar. So mussten wir zur Versorgung unsererschwimmenden Bohrplattform zunächst erst eine Straßefertig stellen und einen Betonpier bauen."
 
Doch der Aufwand lohnte sich: Innerhalb nur wenigerWochen gelang es dem Team, zwei Bohrungen bis zur Tiefe von 540bzw. 452 Metern in das unter dem Sediment liegende und durch denEinschlag entstandene Gestein durchzuführen. Dabei wurdenzusätzliche 350 Meter an Bohrkernen gezogen. Schon die erstenAuswertungen dieses umfangreichen Probenmaterials ergaben einegroße Überraschung: Jene Schicht, die durch die physikalischenVorgänge während des Meteoriteneinschlags gebildet wurde,ist bei weitem nicht so mächtig, wie alle vorangegangenenAnalysen und Messungen vermuten ließen. Aber erst die Auswertungder derzeit in 122 Kisten nach Europa verschifften Proben wirddie Antwort auf jene Frage liefern, die nun alle Projektteilnehmerbewegt und die am Anfang jeder Grundlagenforschung steht: Warum?
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