09.12.2010 11:56 |

"Krone"-Interview

Neuer AUA-Chef muss "Gas geben" - und sich rechnen

Der Oberösterreicher Wolfgang Mayrhuber (63) steht seit 2003 an der Spitze des Lufthansa-Konzerns. In seine Ära, die mit Anfang 2011 endet, fiel der Kauf von Swiss und AUA. "Krone"-Redakteur Manfred Schumi traf ihn in München zu einem Gespräch über Sanierungen, Personalentscheidungen und die Zukunft von AUA und Flughafen.

"Krone": Herr Mayrhuber, sind Sie mit der Entwicklung bei der AUA zufrieden?
Wolfgang Mayrhuber: Es ist viel passiert, aber noch zu wenig. Heuer wird die AUA noch 50 Millionen Euro Verlust machen. 2011 muss ein operativer Gewinn erwirtschaftet werden, und zwar ein deutlicher.

"Krone": Was erwarten Sie von Herrn Thierry Antinori als neuem Chef in Wien?
Mayrhuber: Er muss Gas geben.

"Krone": Haben das die bisherigen Vorstände Malanik und Bierwirth nicht getan?
Mayrhuber: Doch, doch, aber Herr Antinori war für einen Karrieresprung im Lufthansa-Konzern schon länger fällig, jetzt wird er Chef einer Airline (ab 1. April, Anm.).

"Krone": Das sieht aber nicht gut aus, wenn Sie bei der AUA weiter sparen müssen, aber einen dritten, teuren Vorstand einsetzen.
Mayrhuber: Das darf auch nicht mehr kosten. Dafür wird in den Ebenen darunter in der Verwaltung gespart, Antinori soll sich dadurch quasi selbst finanzieren.

"Krone": Stichwort Sparen: Die Belegschaft fordert bei der Lohnrunde mehr Geld.
Mayrhuber: Wir sind dort bei der Sanierung zwar gut unterwegs. Aber das kommt mir vor wie ein Skirennläufer, der Zwischenbestzeit hat, aber im nächsten Tor einfädelt. Wir hatten bei der Lufthansa zwei Jahre Nulllohnrunden, obwohl wir keine Verluste eingeflogen haben. Da muss man aufpassen!

"Krone": Sie haben die AUA billig bekommen, der Steuerzahler hat noch 500 Millionen dazugezahlt?
Mayrhuber: Naja, immerhin haben wir zwei Drittel der Schulden übernommen. Geld hat ja kein Mascherl, man könnte auch sagen, die 500 Millionen waren statt eines Schuldennachlasses. Die Sanierung besteht aus drei Phasen. Erst war der Abbau, jetzt kommt der Umbau und dann der Aufbau, danach werden wir noch viel Freude an der AUA haben.

"Krone": Hätten Sie die AUA zwei Jahre früher gekauft, wäre das die Lufthansa teurer gekommen.
Mayrhuber: Schon, aber in diesen zwei Jahren sind durch die hohen Verluste auch ganz schöne Werte vernichtet worden.

"Krone": Wie sehr trifft Sie die neue Steuer auf Flugtickets?
Mayrhuber: Das ist schon ein Schlag, der Wettbewerb ist sehr hart. Wir werden natürlich Kunden verlieren.

"Krone": Wie sind Sie mit dem Flughafen Wien zufrieden?
Mayrhuber: Er ist sehr teuer bei den Gebühren, und die Abfertigung dauert lange, da hinkt man hinter europäischem Standard nach. Man hat uns immer gesagt, mit dem Skylink wird alles besser. Aber den gibt's ja noch nicht.

"Krone": Braucht der Flughafen ein neues Management?
Mayrhuber: Dazu sag' ich nichts, das können andere besser beurteilen.

"Krone": Was werden Sie 2011 machen?
Mayrhuber: Bei der AUA bleibe ich im Aufsichtsrat und einige andere Mandate hab ich auch (Anm. der Red.: bei BMW, Infineon, UBS usw.). Aber es gibt auch Zeit für andere Sachen, z.B. habe ich mir schon einen Saison-Skipass für Salzburg gekauft.

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