21.01.2021 06:59 |

Tag 1 im Oval Office

Biden an Mitarbeiter: Respektlose werden gefeuert

Mit dem Einzug des neuen US-Präsidenten ins Weiße Haus weht auch ein neuer Wind durch das Machtzentrum - oder eher ein alter: Denn für Joe Biden ist es eine Heimkehr. Acht Jahre war der 78-Jährige unter Barack Obama Vizepräsident gewesen, nun hat er das Sagen - und seinen neuen Mitarbeitern unmissverständlich klargemacht, dass er Respektlosigkeit nicht toleriert. „Ich mache keine Witze, wenn ich das sage: Wenn Sie jemals mit mir arbeiten und ich höre, dass Sie einen anderen Kollegen respektlos behandeln, jemanden runtermachen. Ich verspreche Ihnen, dass ich Sie auf der Stelle feuern werde, auf der Stelle. Ohne Wenn und Aber“, sagte er bei der Vereidigung von ihm ernannter Mitarbeiter. Und auch sonst wird wieder viel anders im Weißen Haus ablaufen.

Biden habe an seinem ersten Arbeitstag eine unglaubliche Ruhe ausgestrahlt und sei freudig gewesen, was sicher auch daran gelegen habe, dass er den Tag mit seiner Familie verbracht habe, sagte Jen Psaki am Mittwoch bei ihrer ersten Pressekonferenz als Sprecherin des Weißen Hauses. „Aber, wissen Sie, er hat auch gesagt, er fühle sich, als sei er nach Hause zurückgekehrt.“

Biden habe es nicht erwarten können, sich an die Arbeit zu machen, und viele Fragen danach gestellt, was als Nächstes anstehe, sagte Psaki. Auch für sie ist es eine Rückkehr ins Weiße Haus: Sie war unter Obama von 2015 bis 2017 Kommunikationsdirektorin. Von 2013 bis 2015 war Psaki Sprecherin des US-Außenministeriums.

„Wahrheit und Transparenz zurück in den Briefing-Raum bringen“
Die 42-jährige Psaki will die täglichen Pressebriefings im Weißen Haus wieder aufleben lassen und sagte zu, im Umgang mit Journalisten ehrlich zu sein. „Als der Präsident mich bat, in dieser Rolle zu dienen, sprachen wir darüber, wie wichtig es ist, Wahrheit und Transparenz zurück in den Briefing-Raum zu bringen“, sagte die neue Sprecherin. Sie plane werktägliche Pressekonferenzen - „nicht an Samstagen und Sonntag, ich bin kein Monster“. Traditionell fanden Pressekonferenzen im Weißen Hauses früher in der Regel an Werktagen statt. Unter Donald Trump gab es sie nur noch sporadisch - wenn überhaupt. 

Rückkehr zu WHO und Klimaschutzabkommen
Der 78-Jährige wurde Mittwochmittag Ortszeit als 46. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt und unterzeichnete bereits am Nachmittag eine Reihe an Verfügungen. Er traf Entscheidungen, die unter anderem Maßnahmen seines Vorgängers Donald Trump rückgängig machen. So leitete er die Rückkehr zum Klimaschutzabkommen ein, stoppte den von Trump eingeleiteten Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation WHO und verkündete ein Ende des Einreiseverbotes aus gewissen islamischen Staaten.

„Ich dachte, es gibt keine Zeit zu warten: Gleich mit der Arbeit anfangen“, sagte der neue Präsident kaum zwei Stunden nach seiner Ankunft im Weißen Haus. Er saß dabei erstmals als Amtsinhaber im Oval Office, dem Büro des US-Präsidenten. Hinter dem 78-Jährigen sind prominent Familienfotos zu sehen und eine Aufnahme des gläubigen Katholiken mit Papst Franziskus. Auf dem Schreibtisch türmten sich dunkelblaue Mappen mit den Anordnungen, die er unterschrieb.

„Wollen durch die Macht unseres Vorbildes führen“
Unter Führung des Demokraten Biden meldet sich die Weltmacht Amerika versöhnlich zurück: Seine Regierung setzt bei den globalen Herausforderungen der Corona-Pandemie und des Klimawandels wieder auf internationale Zusammenarbeit. Auch in Fragen der Sicherheitspolitik will er den Jahren des Isolationismus unter Trump ein Ende bereiten. „Wir werden nicht einfach durch das Beispiel unserer Macht führen, sondern durch die Macht unseres Vorbildes“, versprach Biden bei seiner Vereidigung. Die USA würden wieder ein „starker und vertrauenswürdiger Partner für Frieden, Fortschritt und Sicherheit“, sagte er weiter.

Bidens härtester Brocken: der Kampf gegen das Coronavirus
Auch in der Innenpolitik lässt Biden keinen Zweifel daran, dass er sich in Windeseile von der Politik seines Vorgängers abwenden will: Nach Trumps weithin als ungenügend kritisiertem Umgang mit der Corona-Pandemie soll die Regierung unter Biden die Federführung bei der Eindämmung des Virus und bei der Beschleunigung der Impfkampagne übernehmen. Hier der Druck auf Biden auch mit Abstand am größten: Der Pandemie fielen bis zu seinem Amtsantritt bereits mehr als 400.000 Amerikaner zum Opfer, jeden Tag infizieren sich weiter rund 200.000 Menschen neu mit dem Virus. Die Impfkampagne dagegen läuft eher schleppend an. Die wahrscheinliche „härteste und tödlichste Phase des Virus“ stehe den USA noch bevor, warnte Biden.

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