16.01.2021 23:01 |

Corona-Krise

Ein Balanceakt für die Politik

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer sieht in der aktuellen Corona-Entwicklung wegen der Mutation Grund zur Sorge. Weitere Maßnahmen müssen für ihn virologisch vertretbar sein.

Wie die Zukunft ausschauen wird, weiß man in dieser Pandemie nie. Das hat Landeshauptmann Wilfried Haslauer vor gut einem Monat im großen „Krone“-Interview sinngemäß gesagt. Es war zwar nichts Neues, aber in den vergangenen Wochen hat sich die Aussage wieder einmal bestätigt. Infektionszahlen, die trotz Lockdown kaum, wenn überhaupt noch sinken und eine Mutation, die in anderen Ländern die Zahlen wieder explodieren lassen und auch hierzulande wahrscheinlich ist – schlechte Voraussetzungen, um einen Weg aus dem geplanten Ende des Lockdowns am 24. Jänner zu finden. Vor wenigen Tagen ist Haslauer noch von einem Ende an diesem Tag ausgegangen, weil weitere Schritte zu diesem Zeitpunkt „nicht absehbar“ waren. Das hat sich geändert. „Es ist keine politische Entscheidung, sondern eine rein virologische, denn die Mutation ist eine große Gefahr. Welche Entwicklungen durch diese mutierte Art des Virus möglich sind, sehen wir in einigen Ländern, da ist die Ausbreitung dramatisch“, so Haslauer, der auf die Einschätzungen der Experten vertraut. Salzburgs Spitzenmediziner haben schon eindringlich vor der neuen Situation gewarnt. Weitere Maßnahmen macht er, wie berichtet, von Infektionszahlen abhängig. Diese sind in Salzburg im österreichischen Schnitt die höchsten. Aktuell hat das Bundesland einen Inzidenzwert von 219. Der ursprüngliche Plan mit dem Lockdown hatte als Ziel eine Senkung auf unter 100 vorgesehen – 50 wären noch erstrebenswerter gewesen.

Politiker sprachen mit Experten

Am Samstag traten die Landeshauptleute virtuell mit Virologen und medizinischen Experten zusammen, um auf den aktuellsten Stand gebracht zu werden. Am Abend folgte dann eine weitere Runde mit Bundeskanzler Sebastian Kurz. Eine endgültige Entscheidung der Regierung soll heute bekannt werden. Alle Zeichen deuten aber auf einen noch härteren Lockdown hin (siehe Seiten 2-3).

Ein schmaler Grat für die Entscheidungen

Ein komplettes Herunterfahren der Wirtschaft wie im März war für Haslauer nicht der richtige Weg. „Natürlich wären Öffnungen wünschenswert. Die Abwägung zwischen Öffnungen und strengeren Maßnahmen ist ein schwieriger Balanceakt. Die Entscheidungen müssen virologisch vertretbar sein.“ Der schmale Grat zwischen den gravierenden gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen ist ein schwieriger. Gerade die neue Mutation macht diesen Weg noch schwieriger. Die Devise von Salzburgs Landeshauptmann lautet daher: durchhalten. Man müsse die Zeit bis zum Frühjahr überstehen, dann dürfte es wieder etwas leichter werden. Salzburg hat eine starke Wirtschaft und Haslauer ist fest überzeugt, dass sich diese schnell erholen kann. Das sei aber auch von den Entwicklungen in Ländern wie Deutschland abhängig.

Hoffnungen auf mehr Impfstoffe leben

Jetzt setzt Salzburg auf Testungen, Impfungen und Hygienemaßnahmen. Die Länder haben das vor kurzem wieder selbst in die Hand genommen und eigene Konzepte und Fahrpläne entwickelt. Derzeit werden die Bewohner und Mitarbeiter in den Senioren- und Pflegeheimen sowie Spitalspersonal geimpft. Mitte Februar sollen dann die niedergelassenen Ärzte mit ihrem Personal und auch Sanitäter an die Reihe kommen. Auf der Prioritätenliste stehen ältere Menschen und jene der Risikogruppe weit oben. Im Juni soll jeder Salzburger, der sich mit dem Serum schützen will, einen Impfstoff bekommen. Dabei geht das Land von den derzeit zugesicherten Impfdosen aus – das ist planbar. Sollte Salzburg zusätzliche Dosen bekommen „wird alles verimpft, was da ist“, so die klare Marschroute. Gerade läuft in der EU die Zulassung für den Impfstoff von AstraZeneca, den Europa in großen Mengen geordert hat und der damit einen weiteren Hoffnungsschimmer in der Bekämpfung der Pandemie darstellt.

Gratis-Tests wieder ab Montag

„Im Zusammenspiel von Testungen mit erhöhten Hygienemaßnahmen und einer ausreichenden Durchimpfungsrate können wir der Pandemie in den kommenden Wochen und Monaten so effektiv und aktiv entgegen wirken“, so Haslauer. Wie berichtet, werden die kostenlosen Tests ab Montag fortgesetzt. Anders als zuvor müssen sich die Bürger online oder über die Gesundheitshotline 1450 anmelden. Damit werden Wartezeiten und Menschenansammlungen verhindert.

Felix Roittner
Felix Roittner
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