14.12.2020 22:15 |

Überstunden oft normal

Druck am Arbeitsplatz nimmt immer mehr zu

Wie eine Auswertung der Statistik Austria zeigt, arbeiten rund 40 Prozent der Arbeitnehmer in Österreich immer oder häufig unter Zeitdruck und machen regelmäßig Überstunden - auch schon vor der Corona-Krise. Spontan ein bis zwei Tage freinehmen kann gar nur rund ein Viertel der Beschäftigten, gar nur etwa jeder Fünfte konnte seiner Tätigkeit stressfrei nachgehen.

In Kurzarbeit umgestellt, ins Home-Office gewechselt oder gar den Arbeitsplatz verloren - die Corona-Pandemie hat die österreichische Arbeitswelt gehörig durcheinandergewirbelt und den Druck auf die Arbeitnehmer zusätzlich erhöht. Doch hohe Flexibilität und Zeitdruck prägten das Arbeitsleben auch schon vor der Pandemie.

41,5 Prozent der Erwerbstätigen machten 2019 regelmäßig Überstunden - sie mussten „zumindest einmal im Monat“ früher zu arbeiten beginnen oder später aufhören, wie aus einer Auswertung der Statistik Austria betreffend 2019 hervorgeht. 40,5 Prozent waren immer oder häufig unter Zeitdruck.

Nur jeder Fünfte arbeitet stressfrei
Der Stresslevel im Detail: rund ein Zehntel (12,6 Prozent) arbeitete im abgelaufenen Jahr immer unter Zeitdruck, bei weiteren 28 Prozent war dies oft der Fall und bei 41,3 Prozent manchmal. Nur 18,1 Prozent hatten nie Stress. Die Branche mit dem höchsten Anteil an Beschäftigten, die „immer“ unter Zeitdruck arbeiteten, war Beherbergung und Gastronomie (18,2 Prozent).

Überdurchschnittlich oft unter ständigem Zeitdruck standen Beschäftigte in den Bereichen Verkehr (17,9 Prozent), Gesundheits- und Sozialwesen (17,4 Prozent), Bau (13,6 Prozent) und Handel (13,4 Prozent). Inklusive der Erwerbstätigen, die angaben, „häufig“ unter Zeitdruck zu arbeiten, steigt der Anteil in Beherbergung und Gastronomie auf mehr als die Hälfte (53 Prozent).

Viele Überstunden notwendig
Auch Mehrstunden standen häufig auf der Agenda. 27,1 Prozent der Erwerbstätigen wurden „mindestens einmal wöchentlich“ zu einem früheren Arbeitsbeginn oder späteren Arbeitsende aufgefordert, bei 14,4 Prozent war dies seltener, aber „mindestens einmal monatlich“ der Fall.

Selbstständige gaben mit 45 Prozent fast doppelt so oft wie Unselbstständige (24,6 Prozent) an, zumindest einmal in der Woche länger bleiben oder früher kommen zu müssen. Hier bestanden auch deutliche Unterschiede zwischen den Berufsgruppen bzw. Tätigkeitsniveaus: Besonders von Mehrarbeit betroffen waren Führungskräfte (51,4 Prozent), Fachkräfte in der Land- und Forstwirtschaft (37,3 Prozent) sowie Beschäftigte in akademischen Berufen (32,8 Prozent).

Kurze Auszeit für viele undenkbar
In die andere Richtung ist die Flexibilität wesentlich geringer - kurzfristig ein bis zwei Stunden freizubekommen war im abgelaufenen Jahr nur für ein gutes Drittel der Erwerbstätigen sehr einfach (36,7 Prozent), spontan ein bis zwei Tage wegzubleiben lediglich für knapp ein Viertel (24,5 Prozent). Hier hatten selbstständig tätige klare Vorteile - sie waren hier am flexibelsten (48,6 Prozent).

Auch in der Freizeit oft erreichbar
Ein Gros der Erwerbstätigen wird auch immer wieder in der Freizeit dienstlich kontaktiert. Im Vorjahr waren davon 40,5 Prozent „zumindest einmal in zwei Monaten“ betroffen. Bei Erwerbstätigen mit hohem Tätigkeitsniveau oder hoher formaler Ausbildung ist dies generell öfter der Fall als bei Erwerbstätigen mit niedrigem Tätigkeitsniveau oder niedrigerer Ausbildung. Die Kontaktaufnahme in der Freizeit gingen zwar laut Statistik Austria im Vergleich zu 2015 insgesamt zurück, für selbstständig Erwerbstätige intensivierten sich jedoch die beruflichen Kontakte in der Freizeit.

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