10.12.2020 08:22 |

Mehr Druck auf Brüssel

Gastronomie: Blümel kündigt neue Hilfen an

Wegen einer EU-Regel, die Förderungen begrenzt, stehen heimische Traditionsbetriebe mit Hunderten Mitarbeiten (Aida etc.) vor dem Aus. Auch Gastrozulieferer - vom Gemüsehändler bis zum Weinlieferanten - droht die Pleitewelle. Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) kündigt im „Krone“-Gespräch neue Hilfen an.

Die Zulieferer werden einen Teil ihres Umsatzverlustes ersetzt bekommen, verspricht Blümel. Laut Wiener Wirtschaftskammer beklagen etwa die Betriebe auf dem Großgrünmarkt Umsatzrückgänge von „80 bis 90 Prozent“. „Ohne schnelle finanzielle Unterstützung werden diese Betriebe für immer schließen müssen“, sagt Handelsobfrau Margarete Gumprecht. Das hat auch der Minister erkannt: „Wir wollen noch im Dezember die Verordnung erlassen“, so Blümel.

Angaben des Steuerberaters entscheidend
Die Höhe der Beihilfe ist noch offen. Denn Berechnung und Kontrolle seien nicht so einfach. Eine Brauerei beispielsweise beliefert gleichzeitig Supermärkte (geöffnet, kein Ersatz) sowie Gasthäuser und Hotels (geschlossen, Ersatz möglich). Entscheidend, wer wie viel Geld bekommt, werden die „bestätigten Angaben des Steuerberaters sein“, so der ÖVP-Wien-Chef.

Weiters geplant - und das betrifft sämtliche Branchen, nicht nur Wirte und Kaffeehäuser - ist eine großzügige Streckung der Steuerschulden (aktuell 6,5 Milliarden Euro). Die Rückzahlung soll in Raten über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren möglich werden. Verzinst mit dem relativ niedrigen Satz von zwei Prozent.

Problemfeld gastronomische Großbetriebe
Und dann gibt es noch ein Problemfeld, jenes der gastronomischen Großbetriebe. Dazu zählen u.a. die Traditionscafé-Konditorei Aida oder jene Firma mit 17 Wiener Restaurants, zu der das älteste Lokal der Stadt (das Griechenbeisl am Fleischmarkt) gehört. Der durch die EU gedeckelte Zuschuss von 800.000 Euro reicht für sie nicht aus. Daher stehen ein radikaler Jobabbau und Filialschließungen an.

„Ich habe den Deckel immer kritisiert“
Blümel will mit Deutschland und weiteren Ländern eine Allianz schmieden, um in Brüssel Druck zu machen. „Ich habe den Deckel immer kritisiert. Die Hilfe für diese Unternehmen muss adaptiert werden“, sagt der Minister. Gespräche mit dem deutschen Wirtschaftsminister Peter Altmaier hätten bereits stattgefunden.

Deutsche Wirte stehen noch mehr unter Druck: Anders als bei uns sind in den 800.000 Euro auch die Kosten der Kurzarbeit mit einberechnet. In Österreich ist die Kurzarbeit eine zusätzliche Hilfe des Staates. Das Geld für all die Maßnahmen sei vorhanden, sagt Blümel. Jetzt muss es nur noch fließen.

Alex Schönherr, Kronen Zeitung

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