19.11.2020 11:43 |

178 Infizierte, 7 Tote

So wurde eine US-Hochzeit zum Superspreader-Event

Wer in Corona-Zeiten heiraten will, steht vor einigen Herausforderungen. Begrenzte Gästeanzahl oder gar totales Verbot wie derzeit hierzulande im Lockdown - und nicht zuletzt das eigene Verantwortungsgefühl gegenüber (älteren) Mitmenschen - machen es Paaren derzeit nicht gerade leicht. Und wie schnell eine Hochzeitsfeier zum Superspreader-Event werden kann, hat nun die US-Gesundheitsbehörde CDC aufgeschlüsselt. In Maine war eine Feier mit 55 Gästen Ausgangspunkt für 178 Covid-19-Infektionen - und sieben Todesfälle!

In der 4500-Einwohner-Stadt Millinocket im US-Bundesstaat Maine fand besagte Hochzeitsfeier am 7. August dieses Jahres statt. Mit 55 Gästen eigentlich kein Mega-Event, doch bereits kurz nach den Feierlichkeiten wurden zwei Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Beide Personen wiesen Symptome wie Fieber und Husten auf, zeigten aber keinen schweren Verlauf und mussten auch nicht ins Krankenhaus, so die CDC, die in einem Bericht nicht nur aufschlüsselte, wie die Feier ablief, sondern auch, was danach weiter geschah.

Keine Masken, kein Abstand
Die Feier fand in geschlossenen Räumen statt, auf zehn Tischen saßen jeweils vier bis sechs Personen zusammen. Erlaubt wären zu diesem Zeitpunkt 50 Personen auf einer Hochzeitsfeier gewesen - dass die Zahl leicht überschritten wurde, spielte allerdings laut CDC bei der Verbreitung keine Rolle.

Obwohl das Hotel, wo die Feier stattfand, die Gäste per Schild am Eingang zum Tragen von Masken aufforderte, kamen die Gäste dem nicht nach. Auch der Mindestabstand von 1,5 Metern wurde kaum eingehalten. Das Personal trug während der Feier sehr wohl Mund-Nasen-Schutz. Kontaktdaten wurden keine gesammelt, weshalb sich das Contact Tracing als äußerst schwierig gestaltete.

30 positive Tests direkt nach Hochzeit
Die lokalen Gesundheitsbehörden testeten nach den ersten positiven Tests die Hochzeitsgäste, Hotelgäste und Kontaktpersonen durch - von 55 Gästen erhielten 27 positive Testergebnisse. Zudem wurden auch noch ein Kellner, ein Verkäufer (getestet als Kontaktperson) und ein weiterer Hotelgast, der allerdings nicht auf der Hochzeitsfeier war, sondern nur im Restaurant gegessen hatte, positiv getestet.

Ein Hochzeitsgast, der bereits auf der Feier selbst stark gehustet hatte, war zuvor noch bei einem Treffen in einer Schule gewesen. Zwei Schulmitarbeiter wurden daraufhin ebenfalls positiv getestet - die betroffene Schule musste für zwei Wochen schließen.

Sechs Tote in Pflegeheim-Cluster
Ein weiterer Gast hatte einen Tag nach der Hochzeit nahen Kontakt mit einer in einem Pflegeheim tätigen Person. Dabei dürfte sich diese Person mit dem Coronavirus angesteckt haben, so die CDC. Obwohl sich am 11. August bei der Pflegekraft bereits Symptome wie Fieber, Husten und Abgeschlagenheit zeigten, ging die Person am 11. und 12. August arbeiten und wurde am 13. August schließlich ebenfalls positiv auf das Coronavirus getestet. 

Inzwischen hatten sich in dem Pflegeheim allerdings bereits weitere Personen infiziert, nach einer umfangreichen Testreihe standen am Ende 38 Fälle bei Einwohnern und Personal fest. Drei Personen über 60 Jahre mussten ins Krankenhaus gebracht werden, sechs erlagen ihren Covid-19-Erkrankungen. 

82 Ansteckungen in Gefängnis
Unter den Hochzeitsgästen war auch ein Gefängniswärter, der allerdings erst einige Tage nach der Feier Symptome wie Husten, Fieber und den Verlust des Geruchssinns entwickelte. Da er zuvor noch in der Arbeit gewesen war, wurde auch dort eine Testreihe gestartet - 82 Neuinfektionen konnte die CDC in der Haftanstalt schließlich identifizieren, die auf Kontakt mit dem Gefängniswärter zurückzuführen waren. 

In der Stadt Millinocket, die zuvor so gut wie gar nicht von der Coronavirus-Pandemie betroffen war, kam es nach der Hochzeit ebenfalls zu einem Cluster. Durch direkte Kontakte mit Gästen, dem Brautpaar oder Mitarbeitern des Hotels infizierten sich insgesamt 27 Personen, eine Person starb an Covid-19. 

„Eine Warnung für alle, die schon ihre Weihnachtsfeier planen“
Der Fall schlug in den USA bereits einige Wellen, die CDC betont in ihrem Bericht abschließend die dringende Notwendigkeit, auf große Feierlichkeiten zu verzichten, Masken zu tragen und den Mindestabstand einzuhalten. Besonders brisant: Keiner der schwer Erkrankten oder Verstorbenen war selbst auf der Feier anwesend, einige lebten rund 160 Kilometer entfernt.

„Dieser Bericht soll eine Warnung sein für die Menschen, die sich gerade überlegen, wie sie Weihnachten feiern wollen“, sagte Robert Long, Kommunikationsdirektor für Maines Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention. Denn besonders in geschlossenen Räumen sei das Infektionsrisiko deutlich erhöht. 

Michaela Braune
Michaela Braune
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