14.11.2020 08:00 |

Wolfgang Pauritsch

Ein Schatzjäger mit steirischen Wurzeln

Wolfgang Pauritsch wurde mit „Bares für Rares“ zum großen TV-Liebling. Was kaum jemand weiß - der angesehene Kunst- und Antiquitätenhändler hat seine Wurzeln in der Steiermark.

Es ist früher Samstagmorgen. Inmitten der emsigen Standler am Grazer Trödlermarkt ist Wolfgang Pauritsch unterwegs. Verkleidet mit Maske, dunkler Brille und Schal, damit er nicht erkannt wird. Doch das gelingt kaum. „Mich erkennen die Menschen an der Stimme.“

Bemerkenswerte Karriere
Der Trödeljäger der Nation hat eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Obwohl die ersten Lebensjahre turbulent waren. Bis zum Volksschulalter lebte Pauritsch in Innsbruck. Sein Vater verließ die Familie. „Ich habe ihn nie kennengelernt.“ Die Großmutter holte den damals Siebenjährigen zu sich in die Bergarbeiter-Kolonie in Pölfing-Brunn.

„Ich habe als Kind nichts vermisst, weil ich auch nichts anderes gekannt habe. Ich hatte eine glückliche Kindheit - trotz der Strenge meiner Großmutter, die mir Ordnung und Disziplin beigebracht hat. Aber auch das Sparen!“

Das handwerkliche Rüstzeug und der Instinkt fürs Geschäft kam vom Großvater. „Man muss immer einen Schritt höflicher und besser sein“, sagt Pauritsch und schwört auf die vererbte Bauernschläue seiner Großeltern. Diese Cleverness hat ihn schon beim Bundesheer zum „Helden“ gemacht.

Schmerzensgeld vom Minister erhalten
Nach Abschluss der Lehre als Installateur rückte Pauritsch Anfang der 1990er-Jahre als Panzerfahrer in Graz ein. „In diesem saukalten Kürassier habe ich mir Hämorrhoiden geholt.“ Doch es sollte für den Jagdpanzersoldaten noch leidiger kommen. „Obwohl ich an meinem freien Wochenende betrunken war, wurde ich von der Militärstreife zum Krieg an die Grenze abkommandiert.“ Auf der Fahrt dorthin kam es zum schweren Unfall.

Der Jungsoldat blieb unverletzt. Das auf Kredit gekaufte Auto jedoch hatte einen Totalschaden. Anstatt sich zu ärgern, schrieb er einen Brief an den damaligen Verteidigungsminister Werner Fasslabend. Zwei Wochen später kam Post aus Wien. Der Minister schickte einen Scheck über 10.000 Schilling - als Schmerzensgeld. „Ich erkannte damals - wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“

„Wie leicht lässt sich doch Geld verdienen“
Dass der begabte Steirer seinen Weg in die Antiquitätenbranche fand, ist purer Zufall. Mit 20 ging Pauritsch nach Deutschland, um als Schlosser, Installateur, Nachtwächter, Hundeführer und Chauffeur Geld zu verdienen. Auch als Detektiv war er tätig und bewachte ein Auktionshaus in München.

Eines Tages fehlte bei einer wichtigen Versteigerung der Auktionator. Weil kein Ersatz zur Stelle war, sprang Pauritsch ein. „Ich hatte als Steirerbua in der Fremde nichts zu verlieren.“ Der Sprung ins kalte Wasser gelang, und noch am selben Tag hatte er den Job als Auktionator in der Tasche. „Lieber Gott, dachte ich mir damals, wie leicht kann man da Geld verdienen.“

Vom Beruf begeistert, bildete sich der klassische Quereinsteiger zum Sachverständigen für Edelsteine weiter. Der Weg zum eigenen Auktionshaus führte ihn ins Allgäu. „Ich habe mir mit meiner Geschäftspartnerin die beste Lage für das Auktionshaus in Oberstaufen gesichert, jedoch ohne eine Versicherung abzuschließen.“

Kämpfernatur bewiesen
Mitte der 1990er dann der Schock: Einbrecher raubten Pauritsch aus. Doch er bewies erneut Kämpfernatur. „Ich bekam einen gut bezahlten Job als Auktionator in Frankfurt. Nach einem Jahr konnte ich den Gläubigern alles zurückzahlen.“

Bei einer Versteigerung war es auch, dass der Gentleman der alten Schule 2013 vom ZDF für die Sendung „Bares für Rares“ entdeckt wurde - „purer Zufall“. Seinen Stammplatz hat der TV-Liebling im deutschen und österreichischen Erfolgsformat gefunden. „Ich bin der Ruhigste. So kam ich in die Mitte der Händlerrunde.“ Mit Charme und Steirerschmäh begeistert er täglich Millionen Fernsehzuseher.

„Ich bin ein steinreicher Händler“
Nach wie vor betreibt Pauritsch sein Auktionshaus im Allgäu. Zutiefst bedauert er es, dass er für seine Stammkunden, ohne die er vermutlich nicht da wäre, wo er jetzt ist, kaum mehr Zeit hat. Auf die zeitraubenden Aufzeichnungen der TV-Show will der Selfmademan nicht verzichten.

Macht Fernsehen auch reich? „Ja, ich bin steinreich, habe viele Edelsteine, aber kein Geld!“, kontert Pauritsch, der von Berufs wegen stets viel Bares eingesteckt hat. „Ich bin ein kaufsüchtiger Händler, liebe Diamanten, Juwelen und ganz besonders russisches Silber.“ So sehr, dass es ihm schwer fällt, sich von den Stücken zu trennen.

Leichtigkeit des Seins
„Ich glaube, dass ich ein guter Kaufmann geworden bin“, reflektiert er sein Leben zwischen Trödel, Kunst und Leidenschaft und verweist dabei auf ein weiteres Talent: „Ich kann Gold fühlen und Silber schmecken.“

Es ist die Leichtigkeit des Seins, die den Lebenskünstler neugierig und interessant macht. „Ich habe vieles erlebt, und je tiefer ich gefallen bin, umso höher kam ich wieder raus.“ Das kann man dem „Bares für Rares“-Star abnehmen, der zuletzt sogar eine Corona-Erkrankung so locker weggesteckt hat wie den Rummel um ihn. Was soll da noch passieren? „Ich bin ja noch jung, vielleicht werde ich noch einige andere Berufe ausüben.“

Erich Fuchs, Kronen Zeitung

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