Waldfriedhof in Urfahr

Ein Ort der Trauer, wie aus der Zeit gefallen

Am Waldfriedhof der Krieger und Soldaten in Urfahr lässt es sich trefflich über Tod und Vergänglichkeit sinnieren Am Gymnasium Petrinum ist er auch Thema der Spurensuche.

Kann man einen Lieblingsfriedhof haben? Auf dem kein Grab eines Menschen ist, den man verloren hat, wo ja das Wort „Lieblingsfriedhof“ eher sehr zwiespältige Gefühle auslösen würde?

527 Krieger und eine Pflegerin
Ja, man kann. Meiner ist der Waldfriedhof in Urfahr, links kurz nach dem Petrinum, wenn man den Kreuzweg hinaufzugehen beginnt. Es ist kein gottverlassener, aber (meist) menschenleerer Friedhof in terrassierter Hanglage unter alten Bäumen, auf dem laut Tafel 527 Krieger und eine Pflegerin (Klara Öllinger) aus dem 1. Weltkrieg (1914–1918) sowie 20 Soldaten und eine Krankenschwester (Dr. Hanna Heyland, deren Grab noch heute gepflegt und geschmückt wird) aus dem 2. Weltkrieg (1939–1945) liegen. Ein Ort, der wie aus der Zeit gefallen ist, fast ein „lost place“. Jedenfalls ein Ort, wo es sich trefflich über die Vergänglichkeit des Lebens und über Sinn und Sinnlosigkeit des Todes an sich nachdenken lässt. Und über konkrete Tode: Soldat Karl Herz, 1.11. 1927 bis 11. 6.1945, also noch nicht einmal 18 Jahre, als er im Petrinum starb, das seit Jänner 1945 als Lazarett diente, wie auch zuvor im 1. Weltkrieg. Oder die auf einem Grabbild vereinigten drei gefallenen Söhne der Familie Mitsch.

Ein Häferl namens „Franz“
Name, Geburtsjahr, Todestag: So viel zumindest ist, wenn auch nicht in allen Fällen, von den toten Kriegern bekannt. Einige wenige Fototafeln holen diese Menschen ein wenig mehr aus der Vergessenheit. Über Franz Kneidinger, geboren am 26.10. 1918 und verstorben im 35. Lebensjahr, steht ein Häferl mit dem Namen „Franz“. Es sind solche Details, Marterl, Hinterglasbilder, verwachsene Bildstöcke und Kreuze, die diesen vom Schwarzen Kreuz betreuten Waldfriedhof so „heimelig“ machen.

Eine besinnliche Stunde
Im nahen Gymnasium Petrinum ist er gerade wieder Thema, nämlich im Talentförderkurs „Spuren unserer Vergangenheit“, in dessen Verlauf auch ein Besuch am Waldfriedhof vorgesehen ist. Es wird sicher eine besinnliche Stunde.

Werner Pöchinger
Werner Pöchinger
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