30.10.2020 16:59 |

„Knackpunkt“

Experte appelliert: Freizeitkontakte reduzieren

Die Reduktion der Freizeitkontakte und Mobilität seien jetzt Knackpunkte für eine Eindämmung der rasant steigenden Corona-Infektionszahlen - „ohne dem wird man in der aktuellen Situation nicht auskommen“, sagte der Simulationsforscher Niki Popper. Die Modelle zeigen, dass man hier mit einer vernünftigen Reduktion wirklich gute Erfolge erzielen könne. Die Politik müsse aber jetzt schon überlegen, wie weit man mit den Zahlen herunterkommen wolle und was man weiter tue.

Analytisch gesehen müsse man sagen, dass die Maßnahmen der vergangenen Wochen nicht so gewirkt haben, wie gehofft wurde, so der Wissenschafter von der TU Wien. Ende September habe man eine minimale Mobilitätsreduktion gesehen, aber diese habe sich nicht fortgesetzt und sei nicht ausschlaggebend gewesen. Und die Kontaktzahlen in den Netzwerken hätten sich offensichtlich nicht entsprechend reduziert.

Popper: „Getan muss jedenfalls etwas“
Ob Maßnahmen wie in Deutschland der richtige Weg sind, will Popper nicht beurteilen, „das ist vor allem eine politische Diskussion“. Getan werden müsse jedenfalls etwas, „ob das jetzt Lockdown heißt, weiß ich nicht, das ist ja auch nicht sehr exakt definiert“. In den Simulationsmodellen sehe man aber, wie unterschiedliche Maßnahmen wirken. Und da zeige sich, dass man durch eine Kombination von Maßnahmen und der Einschränkung der Freizeitkontakte (gemeinsame Treffen, Sport und Hobbys). 

Suche nach dem Mittelmaß
Popper: „Ohne diese Einschränkung der Freizeitkontakte ist es in der aktuellen Situation sehr schwierig, das Infektionsgeschehen schnell in den Griff zu bekommen.“ Die Frage sei, wie man ein Mittelmaß finde, das ein möglichst normales Leben ermöglicht, aber dennoch die Dynamik bricht - jetzt gilt es schnell und kurzfristig die Zahlen herunter zu bekommen.

Auch Home-Schooling und Home-Office haben Einfluss
Maßnahmen wie Home-Schooling oder Home-Office hätten ebenfalls einen reduzierenden Einfluss auf das Infektionsgeschehen. Die Summe aller Maßnahmen macht es aus. Speziell bei Schulschließungen müsse man sich auch die Frage stellen, inwieweit und wo das gesellschaftlich zumutbar sei. Neben der Kontaktreduktion hält es Popper auch für entscheidend, das Testen, Tracen und Isolieren aufrechtzuerhalten, auch wenn es bei höheren Infektionszahlen überproportional schwieriger werde. Dass die Aufklärungsrate in letzter Zeit stark sinke, sei ein Zeichen, dass das Testen und Nachverfolgen nicht mehr gut funktioniere.

Maßnahmen greifen erst in ein bis zwei Wochen
Klar sein müsse auch, dass nun getroffene Maßnahmen erst in ein bis zwei Wochen greifen. „Da muss sich die Politik jetzt schon prospektiv überlegen, wie weit wollen wir eigentlich herunterkommen mit den Infektionszahlen und wie gehen wir dann weiter damit um“, so Popper.

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