01.10.2020 08:02 |

Grazer Infektiologe

Grippeimpfung: „Ämter nicht rechtzeitig reagiert!“

Professor Robert Krause, Infektiologe am LKH-Universitätsklinikum Graz, über Unterschiede zwischen der klassischen Grippe und Corona. Der Experte sieht Influenza als gleichsam fürchterliche Krankheit und kritisiert die offensichtlich mangelhaften Vorbereitungen scharf.

Herr Professor, wie unterscheide ich als Laie, ob ich jetzt an der Grippe oder an Covid-19 erkrankt bin?
Das kann man leider nicht unterscheiden. Auch für uns als Mediziner ist eine Differenzierung anhand der Symptome nicht möglich. Die typische Influenza beginnt gleich mit hohem Fieber, Husten und einem generellen Unwohlsein - dieses Auftreten sehen wir bei Covid zu Beginn nicht. Allerdings ist es eben leider so, dass die Grippe auch in einer abgeänderten Form auftreten kann.

Das heißt, es bleibt einzig ein Corona-Test?
Ja, der PCR-Test ist die einzige wirksame Diagnostik, die es gibt. Der Antigentest ist hierfür ungeeignet, da er bis zu 50 Prozent der positiven Fälle übersieht.

Wie kann man sich denn vor Influenza schützen?
Den besten Schutz garantiert die Impfung. Wir haben aber auch gesehen, dass die Covid-Maßnahmen, mit den Hygiene- und Abstandsregeln auch vor Influenza schützen. In Australien wurde dadurch die Grippewelle massiv abgeschwächt.

Ist Corona jetzt gefährlicher als die Grippe?
Fakt ist, dass sich die Covid-Todesrate jener von Influenza annähert und diese bald erreicht haben wird. Irgendwann wird es auch eine virale Infektion sein. Die Dynamik bei Covid ist aber eine andere - es breitet sich viel schneller aus, und das ist auch das große Problem, das unser Gesundheitssystem massiv belastet. Aus meiner Sicht sind die Krankheiten dennoch vergleichbar - auch die Grippe ist eine fürchterliche Krankheit, gegen die wir ankämpfen sollten.

Hier wird immer von der Durchimpfungsrate gesprochen - wie hoch müsste diese aus medizinischer Sicht sein?
Aktuell haben wir eine Durchimpfungsrate von zehn Prozent, was sehr schlecht ist. Um wirklich etwas zu bewirken, sollte diese Rate bei 50 oder 60 Prozent liegen. Es gibt Länder, die liegen sogar bei 70 Prozent.

Jetzt klagen aber viele Steirer, dass sie keine Grippeimpfung bekommen. 
Das ist eine riesengroße Katastrophe. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass hier offenbar von den Verantwortlichen nicht rechtzeitig reagiert worden ist.

Wann sollte man sich eigentlich impfen lassen?
Wenn man sich Mitte Oktober impfen lässt, sollte man auf der sicheren Seite sein. Normalerweise tritt der erste Höhepunkt der Welle kurz vor Weihnachten auf.

Marcus Stoimaier
Marcus Stoimaier
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