21.09.2020 07:14 |

Düstere Aussichten

AGES: „Corona wird sich etablieren wie Influenza“

Zwischen Optimismus und düsteren Aussichten ist Sonntagnacht die ORF-Diskussion „Im Zentrum“ über die weitere Entwicklung in der Corona-Krise verlaufen. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) zeigte sich angesichts der seit Mitternacht geltenden Verschärfungen zuversichtlich, „dass wir nicht in eine zweite Welle hineinkippen“. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner verlangte von der Regierung eine Schnellteststrategie, und die AGES-Expertin Daniela Schmid dämpfte die Hoffnungen auf eine baldige Rückkehr zur Normalität: „Corona wird sich etablieren wie Influenza.“

Die Regierung habe sich „sehr professionell“ auf die „schwierige Phase“ im Herbst vorbereitet, wies Anschober den Vorwurf Rendi-Wagners zurück, den mit dem Lockdown erarbeiteten Vorsprung in der Pandemie-Bekämpfung „in den letzten Monaten fahrlässig verspielt“ zu haben. Rendi-Wagner konterte, die Regierung habe nach den Lockerungen „große Fehler“ gemacht, es habe „keinen klaren Plan“ für den Sommertourismus oder den Schulstart gegeben.

Rendi-Wagner setzt auf Antigen-Schnelltests
Die SPÖ-Chefin verlangte eine „neue Schnellteststrategie“. Die PCR-Tests nähmen zu viel Zeit und Personal in Anspruch, Antigen-Schnelltests würden schnellere und mittlerweile mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch richtige Resultate liefern. Die Chefepidemiologin der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES), Daniela Schmid, pflichtete der SPÖ-Chefin bei: „Antigen-Schnelltests sind der Schlüssel für Beschleunigung.“ Es gehe darum, den Zeitraum vom Identifizieren einer Infektion und der Isolation der Betroffenen bis zum Contact Tracing zu verkürzen. Grundsätzlich sollte aber „sinnvoll“ getestet werden, „um Ressourcen für Gruppen zu sparen, in denen testen Sinn macht“.

Anschober betonte, er verfolge weiterhin „eine umfassende Teststrategie“. Tests bei auf Corona hindeutenden Symptomen und das Screening von Risikogruppen seien nötig und wichtig, wobei die Ergebnisse schneller vorliegen müssten. Einige Bundesländer hätten sich hier „hervorragend vorbereitet“, Vorarlberg brauche etwa 20 Stunden vom Testen bis zum Resultat. Dagegen müsse man in Wien diesbezüglich „nachjustieren“.

Impfstoff: „Mehrere Angebote in der ersten Jahreshälfte“
Hinsichtlich eines Impfstoffes versprühte Anschober Optimismus. Er sei „absolut sicher, dass es in der ersten Jahreshälfte (2021) mehrere Angebote geben wird“. Auf sein Verhältnis zu Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) angesprochen, meinte Anschober, es habe „unterschiedliche Einschätzungen über den Zeitpunkt der Maßnahmen“ gegeben. Man sei dann „in guten Gesprächen mit guten Beratern zu vernünftigen Einschätzungen gekommen“.

Frühere Sperrstunde als mögliche nächste Verschärfung
Sollten die jüngsten Beschränkungen bei privaten Veranstaltungen und Feiern sowie die neuerliche Ausweitung der Maskenpflicht nicht die erwünschten Wirkungen zeigen, deutete Anschober eine mögliche Vorverlegung der Sperrstunde in der Gastronomie - diese liegt derzeit bei 1 Uhr - und ein weiteres Nachschärfen beim Mund-Nasen-Schutz an. Auch ein „Eingreifen bei Clustern“ wäre für den Gesundheitsminister in diesem Fall vorstellbar.

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