19.09.2020 11:39 |

Wegen Corona

Steirische Grüne versammeln sich online

Die grüne Landes- und Mitgliederversammlung in der Steiermark ist am Samstagvormittag zum Schutz vor dem Coronavirus online über die Bühne gegangen. Die Grünen zeigten sich dabei durchaus selbstbewusst und setzen sich sowohl in Graz als auch auf Landesebene eine Regierungsbeteiligung zum Ziel. Motto: „Die Zukunft von Graz ist grün, die Zukunft der Steiermark ist grün.“ Judith Schwentner wurde mit 92,6 Prozent zur Spitzenkandidatin für die nächste Grazer Gemeinderatswahl gewählt, Sandra Krautwaschl erhielt als neue Landessprecherin sogar 95,2 Prozent.

243 Grüne hatten sich für die Versammlung angemeldet - laut Landesgeschäftsführer Wolfgang Raback „so viele wie noch nie“. Er hätte sich zwar einen anderen Rahmen als eine Übertragung per Livestream gewünscht, „aber Gesundheit geht vor“, sagte er in der Grazer Messe, von wo aus übertragen wurde.

Nur ein paar Grüne - unter ihnen Vizekanzler Werner Kogler, die neue Landessprecherin Sandra Krautwaschl sowie die Grazer Stadträtin Judith Schwentner - waren auch tatsächlich vor Ort anwesend. Sie erwarteten dort allerdings kein Publikum, denn für die Reden wurde die Übertragung auf Facebook sowie YouTube gewählt. Die Mitglieder konnten dabei ihre Stimmen für drei Wahldurchgänge per Online-Voting abgeben - anonym, versicherte Raback.

Kogler: „Sehr rechte Koalition in Graz“
Zum Auftakt machte Vizekanzler Werner Kogler in der fast leeren Halle den „Einpeitscher“. Er sprach vor allem über Graz, wo vieles gut sei, vieles aber noch besser gehe. Das liege vor allem an der „sehr rechten Koalition“. Kogler griff vor allem Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) an, dessen „Luftblasen oft zerplatzen. Ich wundere mich, warum das Rathaus nicht in die Seifenfabrik verlagert wird.“ Nagls Ankündigungen würden vor allem dazu dienen, die Prospekte zu füllen. „Von der Häufigkeit von Prospekten kann man nicht auf die Sinnhaftigkeit der Projekte schließen.“

Kogler warb aber auch für eine künftige Koalition mit den Grünen. „Für die Grazer ÖVP ist es nicht zu spät für eine Umkehr.“ Der Vizekanzler verwies auf die „großen grünen Erfolge in Wien“, wo es seit zehn Jahren eine rot-grüne Koalition gibt, und auf Innsbruck, wo ein grüner Bürgermeister im Amt ist.

Er motivierte die neue Grazer Grünen-Chefin Judith Schwentner: „Liebe Judith, nimm es, tu es, mach‘s.“ Die frühere Nationalratsabgeordnete erhielt später bei der Wahl 92,6 Prozent (94 Mitglieder nahmen teil).

„Die schlechte Luft in Graz macht krank“
In ihrer Rede setzte Schwentner vor allem auf das Klimathema: „Die schlechte Luft in Graz macht krank. Es wird nichts dagegen unternommen, im Gegenteil, um 30 Millionen Euro soll ein neuer Autotunnel (in der Josef-Huber-Gasse, Ann.) gebaut werden.“ Die Grünen hingegen wollen nicht noch mehr Autos, sondern mehr Grün und Lebensqualität, mehr Bäume, begrünte Dächer, mehr Platz für Kinder und mehr Miteinander, so Schwentner.

Die ehemalige Journalistin zeigt sich bereit für eine Regierungsbeteiligung, um die „mutlose rechte Koalition aus Betonierer und Burschenschafter“ abzulösen. Und zu den Mitgliedern gewandt: „Ich bereite mich gemeinsam mit euch auf den Umbruch vor und möchte gemeinsam mit euch bei der Gemeinderatswahl gewinnen. Die Zukunft von Graz sind wir.“

„Ich will die Steiermark begrünen“
Nach Schwenter hielt Landtags-Klubobfrau Sandra Krautwaschl ihre Rede. Sie zeigte sich zu Beginn bereit, Flüchtlinge von der Insel Lesbos aufzunehmen: „Nicht nur die Menschenrechtsstadt Graz hat Platz für Menschen, die Hilfe suchen, sondern die ganze Steiermark.“ In der Bundesregierung können die Grünen das ja gegen Widerstände der ÖVP nicht durchsetzen. Krautwaschl in Richtung Kogler: „Ich weiß, dass ihr alles macht, um die ÖVP auf den Pfad der Menschlichkeit zurückzubringen.“

Auch Krautwaschl, die bei der Landtagswahl 2019 das beste grüne Ergebnis aller Zeiten eingefahren hat, will weitere Erfolge einfahren. Das Ziel: „In der Steiermark so stark zu werden, dass an uns und unseren Ideen niemand vorbeikommt.“ Und auch in den Gemeinden möchte man noch weitere „grüne Keimzellen“ schaffen. „Ich möchte die Steiermark begrünen.“

95,2 Prozent für Krautwaschl
Die Mitglieder stehen zu Krautwaschl: Sie erhielt 157 von 165 abgegebenen Stimmen, das sind 95,2 Prozent. Mit Tränen der Freude nahm Krautwaschl das Ergebnis an.

Jakob Traby
Jakob Traby
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