19.09.2020 09:00 |

Lech

Jetzt wird es richtig schmutzig!

Wie ein ganzes Dorf unter Druck geraten kann, kann man derzeit in Lech beobachten. Dort wird mit allen Mitteln um Stimmen für die bevorstehende Bürgermeister-Stichwahl gekämpft. Die Anhänger von Ortschef Muxel sollen dabei alles andere als zimperlich sein und sogar vor Einschüchterungen nicht zurückschrecken.

Wer derzeit mit Menschen aus Lech spricht, dem wird ein wenig mulmig zumute. Die Stichwahl zwischen Langzeit-Bürgermeister Ludwig Muxel und seinem Herausforderer Stefan Jochum wirft dunkle Schatten voraus. Von „Einschüchterung “ und „Angstmache“ ist die Rede, von „Diffamierungen auf unterstem Niveau“ und von „nicht tolerierbaren Untergriffigkeiten“. Was ist bloß in dieser Gemeinde los?

Am vergangenen Wahlsonntag erhielt Muxel, der Lech seit 27 Jahren vorsteht, nur noch 35,4 Prozent der Stimmen, während Jochum 47,6 Prozent einfahren konnte. Dieses Ergebnis ließ kaum jemanden kalt in der Gemeinde, am wenigsten die Beteiligten. Während sich Jochum am Wahlabend sehr siegessicher zeigte und viele davon ausgingen, dass Muxel sich nun in ein stilles Eck zurückziehen würde, um über seine Niederlage hinwegzukommen, zeigt sich nun ein anders Bild: Muxel gibt sich nicht geschlagen. Im Gegenteil, er kämpft - und hat dabei Mitstreiter, denen scheinbar auch unlautere Mittel recht sind. So fährt etwa der Leiter des Bauhofs in Lech mit einem Gemeindefahrzeug von Haus zu Haus und händigt den Anwohnern einen Brief von Muxel aus, in dem dieser sein Vorgehen in Sachen Gemeindezentrum verteidigt und verspricht, sich „auch weiterhin für unsere Heimat Lech“ einsetzen zu wollen. So weit, so unaufregend. Dass aber die Muxel-Jünger bei diesen Gelegenheiten Jochum, wie erzählt wird, mit einem randvollen Schmutzkübel anschütten, ist mehr als nur bedenklich. „Schläfer“ und „Der kann nix!“ seien hier als die harmlosesten Äußerungen genannt. Auch soll den Wählern eingeredet werden, dass man einen Bürgermeister Jochum ohnehin in der Gemeindevertretung blockieren würde. 

Zitat Icon

Ich habe nach der Wahl nicht aufgegeben, auch weil ich sehe, dass ich noch Chancen habe. Ich erzähle jedenfalls nichts Schlechtes über Stefan Jochum und ich übe auch keinerlei Druck aus.

Bgm. Ludwig Muxel

Darauf angesprochen, sagt Muxel: „Davon weiß ich nichts. Aber die Bauhof-Mitarbeiter machen das in ihrer Freizeit.“ Zwei Sätze, die zu denken geben. Im Übrigen könne er freien Bürgern keinen Maulkorb umhängen. „Jeder darf sagen, was er will.“ Ist das wirklich so? Stefan Jochum sieht das anders. Abgesehen davon, dass er über das Niveau des Wahlkampfs und die persönlichen Angriffe „sehr enttäuscht“ ist, gibt er zu bedenken, dass das Verhalten des politischen Gegners mit Demokratie „nicht mehr viel zu tun“ hätte. Denn berichtet wird im Dorf nicht nur von Beleidigungen und Verleumdungen, sondern auch von Einschüchterungsversuchen. „Die Menschen rufen mich an und zeigen sich entsetzt über dieses Vorgehen.“

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Ich habe Bürgermeister Muxel auf seinen Wahlkampf und die Diffamierungen angesprochen. Er meinte, seine Mitstreiter würden mich nicht beleidigen, sondern loben. Absurd.

Bürgermeisterkandidat Stefan Jochum

Doch öffentlich will niemand von den Begegnungen mit den Muxel-Mitstreitern berichten. Aus Angst vor Verlust der Gemeindewohnung, aus Angst vor Ressentiments der Familie gegenüber, aus Angst davor, dass die nächste Grundstücksumwidmung dann vielleicht nicht mehr genehmigt wird.

All das wirft Fragen auf. Unter anderen die, über welche Hebel das „System Muxel“ in den vergangenen Jahrzehnten eigentlich funktioniert hat. Und ist es nicht bemerkenswert, dass die Muxel-Gegner in Lech richtiggehend erleichtert sind, dass die Wahl eine geheime ist? Am Arlberg brodelt es jedenfalls gewaltig. Und die Noblesse, mit der sich die Gemeinde immer gerne geschmückt hat, scheint wie weggeblasen.

Angelika Drnek
Angelika Drnek
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