11.09.2020 06:00 |

„Krone“-Kommentar

Moria!

Das Flüchtlingslager auf Lesbos ist abgebrannt, existiert nicht mehr. 13.000 Verzweifelte haben kein Dach mehr über dem Kopf, vegetieren ohne Wasser und Hygiene im Dreck, im Schlamm, in Fäkalien. Darunter 4000 Kinder.

Kinder sind hilflos, unschuldig, schwach. Kinder haben große Augen, die schauen, aber nicht begreifen. Kinder sind süß, liebenswert, knuddelig, zum Umarmen und - völlig wurscht, wo auf dieser so kranken, pervertierten, erbärmlichen, gnadenlosen Welt - die Zukunft. Kinder müssen überleben, damit diese kranke, pervertierte, erbärmliche, gnadenlose Welt einmal besser wird. Deshalb dürfen Kinder niemals zum Politikum werden. Zum Hickhack. Zu Argumenten. Zu Figuren. Zu Theorien. Zu Objekten.

Kinder wissen nicht, was Schlepper sind, Profite, morsche Boote, das Mittelmeer, Ärzte ohne Grenzen, die Caritas. Kinder sind ahnungslos, warum die einen wollen, dass sie leben, die anderen ihren Tod in Kauf nehmen. Kinder wissen nichts von beinharten Überzeugungen, von Parteien, von Wahlkämpfen, von Koalitionen, von Humanität, von Kalkül, von Berechnung, vom politischen Spiel. Kinder wollen nur leben, einfach nur leben, überleben!

Im Dreck und Schlamm und in den Fäkalien von Moria indes werden ihre großen Augen nur so lange schauen, aber nicht begreifen, bis man sie ihnen zudrückt, weil sie gestorben sind.

Michael Jeannée, Kronen Zeitung

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Montag, 21. September 2020
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