28.07.2020 16:30 |

Grüne Kritik an ÖVP

Tourismus-Debatte: „Gerber ist ein junger Hörl“

Die Tiroler Volkspartei kann mit dem Tourismusweg der Grünen wenig bis gar nichts anfangen. Umgekehrt ist es natürlich genauso, wie der Grüne Tourismussprecher Georg Kaltschmid im „Krone“-Gespräch offen zugibt. Dass sie in einer Koalition sitzen, erschwert das Ganze natürlich.

Die Aussagen von Mario Gerber, Sprecher der Hotellerie in der Wirtschaftskammer Tirol, zum Tourismus haben Wellen geschlagen. „Wir haben keinen Massen-Tourismus in Tirol, sondern maximal einen intensiven. Und der ist dank unserer vielen Familienbetriebe qualitativ hochwertig“, betonte er unlängst im Gespräch mit der „Krone“. Dabei ging er vor allem mit dem Grünen Koalitionspartner hart ins Gericht. „Wir wollen, müssen und können nicht alles auf den sanften Tourismus umstellen. Das ist eine Nische, die natürlich ihre Berechtigung hat, aber bereits ausreichend abgedeckt wird“, betonte Gerber.

„Hatte große Erwartungen“
Verwundert zeigte sich darüber vor allem der Grüne Tourismussprecher, LA Georg Kaltschmid. „Mit Mario Gerber ist ein Hotelier meiner Generation in den Landtag gezogen. Ich hatte hier große Erwartungen, dass er die Zeichen der Zeit erkennt. Doch wenn ich mir seine Aussagen in der ,Krone’ oder auch im Landtag anhöre, dann kommt es mir oft so vor, als ob ein Franz Hörl in junger Version spricht“, meint Kaltschmid.

„Sprecher der Großhoteliers und Seilbahner“
Das sei sehr schade, denn es würden die Wünsche der Gäste, der Einheimischen und auch vieler Hoteliers nicht erkannt. „Gerade die junge Tourismusgeneration ist mit dem alten Tourismusweg nicht mehr einverstanden. Sie will nicht in das ,Hamsterrad von noch mehr Betten, mehr Gästen, weniger Natur und wenig Wertschöpfung’ einsteigen. Mario Gerber führt den alten Tourismusweg aber einfach weiter. Er ist ein Sprecher der Großhoteliers und Seilbahner, der den Weg ,Tourismus und mehr Gäste auf Teufel komm raus’ weitergeht“, ist der Grüne Abgeordnete Kaltschmid enttäuscht.

„Offene Tourismusdiskussion“ gefordert
Die vor Kurzem veröffentlichte Tourismusstudie habe laut Grünen jedoch klar gezeigt, was die Tirolerinnen und Tiroler von den Tourismusverantwortlichen erwarten: 92% wünschen sich nicht mehr Gäste - und der größte Wunsch ist ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur. „Das kann auch Mario Gerber sich nicht schönlesen. Das sind Fakten, schwarz auf weiß“, sagt Kaltschmid. Er fordere schon länger eine offene Tourismusdiskussion mit allen Stakeholdern des Tiroler Tourismus. „Dies wird von Mario Gerber aber strikt abgelehnt. Mir kommt vor, dass er Angst hat, dass er hier nicht das zu hören bekommt, was er hören will. Wie er selber gesagt hat: In den jetzigen Gremien sind alles gewählte Funktionäre - welchem Couleur diese angehören, ist auch allen klar. Da wird schön weiter im eigenen Süppchen gekocht“, glaubt Kaltschmid.

Er fragt sich aber: „Wo und wie sind hier die Arbeitnehmervertreter eingebunden?“ Der Tourismus sei einer der größten Arbeitgeber des Landes und man stehe noch immer vor einem großen Fachkräftemangel. „Hier wäre es an der Zeit, sich die Wünsche der Arbeitnehmer beziehungsweise ihrer Vertreter anzuhören. Denn diese wissen, was sich unsere Mitarbeiter von einem guten Arbeitsplatz erwarten. Nur so kann der Tourismus wieder ein attraktiver Arbeitgeber werden“, meint Kaltschmid.

Markus Gassler
Markus Gassler
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