26.07.2020 11:47 |

Quarantäne-Welle in NÖ

Bewohner befürchten weitere Ausbreitung des Virus

Wie nun St. Wolfgang in Oberösterreich gilt auch der niederösterreichische Bezirk Horn als eine der am stärksten von Covid-19 betroffenen Gegenden unseres Landes. Die Bewohner befürchten eine weitere Ausbreitung des Virus - und treffen bereits Vorsichtsmaßnahmen.

Verträumte Ortschaften. Rundum Wälder, Wiesen, Felder, Hügel. Wenig Tourismus. Viele Bauernhöfe, ein paar größere Firmen. Lange schien es, als wäre die Gegend von Corona beinahe verschont geblieben. Bloß am Anfang der Virus-Welle gab es hier einige Covid-19-Fälle zu verzeichnen; bei einer Personengruppe, die davor in Salzburg auf Skiurlaub gewesen war.

So wurde der Cluster entdeckt
„Aber danach“, so Horns Bürgermeister Jürgen Maier, „kam es zu keinen weiteren Infektionen mehr.“ Und dann das: Der Bezirk wurde plötzlich - genauso wie jetzt die Gemeinde St. Wolfgang in Oberösterreich - zu einem Corona-Hotspot. Die meisten der Erkrankten - einige von ihnen haben keine Symptome - sind Mitarbeiter des Gauderndorfer Schlachthofs Dachsberger.

Dass der Cluster überhaupt entdeckt wurde, ist der Leitung des Unternehmens zu verdanken. Freiwillig wurden dort mit Beginn der Krise die Hygienevorschriften extrem verstärkt und wiederholt Testungen veranlasst. Zuletzt Mitte Juli. Seitdem steht fest: 38 der knapp 240 Beschäftigten sind infiziert; die Firma wurde mittlerweile geschlossen.

„Leute hatten keinen Kontakt zueinander“
„Wie es bei uns zu der Ausbreitung des Virus kommen konnte“, so eine Dachsberger-Sprecherin, „ist mir ein Rätsel.“ Bedienstete aus unterschiedlichsten Bereichen seien nämlich betroffen; Fleischzerteiler, Sekretariatsangestellte, ein Geschäftsführer: „Leute, die zum Teil gar keinen Kontakt zueinander hatten.“

„Vielleicht“, so Thomas Stefan, Inhaber eines Gasthauses in Straning, „grassiert Corona in unserem Gebiet schon seit Monaten und viel stärker, als wir alle ahnen.“ Das Lokal des 47-Jährigen musste kürzlich ebenfalls „dichtgemacht“ werden, nachdem eine Aushilfskellnerin positiv getestet worden war: „Am 11. Juli, einem Samstag, hat sie zuletzt bei mir gearbeitet.“

Heimquarantäne - aber zu wenige Tests?
Mehrere Gäste - sowie er und seine Lebensgefährtin - wurden in der Folge unter häusliche Quarantäne gestellt, „aber Untersuchungen sind bei keinem von uns veranlasst worden“. Einen Covid-19-Test habe er aus eigener Tasche bezahlt, „ich bin negativ“ - der Wirt wollte „einfach Gewissheit haben“. Werden möglicherweise, wie Thomas Stefan vermutet, „sogar, wenn es dokumentierte Erkrankungen gibt, im Umfeld der Betroffenen kaum medizinische Checks durchgeführt“?

Ein Vorwurf, den St. Pöltens Bezirkshauptmann Josef Kronister und sein Stellvertreter Christian Steger nicht gelten lassen: „Seit dem Ausbruch des Virus sind Dutzende unserer Mitarbeiter gewissenhaft damit beschäftigt, Verdachtsfällen nachzugehen und, wenn notwendig, entsprechende Schritte einzuleiten.“ Zudem würden „ständig ausgiebige Kontrollen stattfinden“. Bei Menschen, die sich - ohne Befund - vorsichtshalber in Heimquarantäne befänden, „und natürlich noch intensiver bei jenen, die nachweislich infiziert sind“.

Harte strafrechtliche Konsequenzen
Und die beiden Politiker warnen: „Covid-19-Patienten, die ihr Zuhause verlassen und damit andere Personen mutwillig der Gefahr einer Ansteckung aussetzen, müssen mit harten strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.“

„Das Virus ist noch lange nicht ausgerottet“
Im Bezirk Horn scheint die Bereitschaft der Bevölkerung, sich an Auflagen zu halten und wieder öfter Masken zu tragen, groß zu sein.

„Durch den Cluster bei uns haben die Menschen begriffen, dass das Virus noch lange nicht ausgerottet ist“, sagt Georg Gilli, Bürgermeister von Eggenburg, „nicht in unserem Bezirk, nicht in unserem Land - und nirgendwo sonst auf der Welt.“

Martina Prewein, Kronen Zeitung

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