08.09.2010 20:17

Mini-Geldstrafe

FIA lässt Ferrari mit Teamorder billig davonkommen

Ferrari ist in der Teamorder-Affäre von Hockenheim billig davongekommen. Der Motorsport-Weltrat der FIA bestätigte am Mittwoch in Paris nur die bereits von den Rennkommissaren verhängte Strafe von 100.000 Dollar (78.759 Euro) gegen die Scuderia. Einen möglichen Punkteabzug, eine Sperre oder gar einen WM-Ausschluss des Traditionsteams lehnten die Sportrichter ab.

Felipe Massa hatte beim Großen Preis von Deutschland seinen Teamkollegen Fernando Alonso angeblich auf Anweisung überholen lassen und ihm damit den Sieg geschenkt. Eine derartige Teamorder ist allerdings seit 2002 verboten. Das Verbot steht nach der Entscheidung von Paris jedoch auf der Kippe. Der Weltrat habe vorgeschlagen, den Bann der Teamorder aufzuheben, sagte der Chef des italienischen Motorsport-Verbands, Sticchi Damiani.

"Fernando ist schneller als du"
Ferrari bestritt ohnehin stets, Massa eine klare Aufforderung zum Bremsen erteilt zu haben. "Mein Team hat mich nur konstant darüber informiert, was hinter mir passiert ist", sagte der Brasilianer selbst. Sein Renn-Ingenieur Rob Smedley hatte ihm vor dem dubiosen Überholmanöver in der 49. Runde via Boxenfunk zugerufen: "Fernando ist schneller als du. Kannst du bestätigen, dass du das verstanden hast?"

In der Weltmeisterschaft bleibt nach dem Urteil alles beim Alten. Der Spanier Alonso liegt als Fünfter mit 141 Punkten vor dem Ferrari-Heimspiel in Monza am Sonntag 41 Zähler hinter WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton. Massa hat 109 Punkte auf dem Konto. In der Konstrukteurswertung ist Ferrari mit 250 Punkten Dritter hinter Red Bull (330) und McLaren (329).

Teamorder-Profiteur Schumacher forderte Abschaffung
Die Aktion hatte in der Formel 1 eine heftige Debatte über den Sinn des Teamorder-Verbots ausgelöst. So sprach sich Rekordweltmeister Michael Schumacher deutlich für eine Freigabe teaminterner Anweisungen aus. In seiner Zeit bei Ferrari war der siebenfache Champion selbst mehrfach Profiteur einer Teamorder. Weil die Scuderia 2002 in Österreich seinen damaligen Teamgefährten Rubens Barrichello zum wiederholten Mal einbremste, untersagte die FIA nach Saisonende die Teamorder.

Der amtierende Champion Jenson Button, sein McLaren-Stallrivale Hamilton und Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug votierten nach dem Vorfall von Hockenheim hingegen für eine Beibehaltung des Verbots. In weiten Teilen des Fahrerlagers wird aber offenbar eine salomonische Lösung bevorzugt: Der Teamorder-Bann wird abgeschafft, aber alle Teams verpflichten sich stillschweigend dazu, derartige Anweisungen an ihre Fahrer möglichst selten anzuwenden.

Todt ließ Stellvertreter Sitzung leiten
Das Urteil galt auch als erste große Bewährungsprobe für FIA-Chef Jean Todt. Als Ferrari-Teamchef hatte der Franzose mit Schumacher den Rennstall einst durch seine erfolgreichste Ära geführt. 2001 gab er Barrichello in Österreich das Kommando: "Let Michael pass for the Championship." Wegen des Interessenkonflikts überließ Todt seinem Stellvertreter Graham Stoker die Leitung der Sondersitzung.

Todts Vorgänger Max Mosley hatte zuvor eine harte Strafe für Ferrari gefordert. Todt indes ist seit seiner Amtsübernahme auf Ausgleich bedacht und deutlich von Mosleys Konfrontationskurs abgerückt.

Saison 2011 wird 20 Rennen umfassen
Vor der Ferrari-Entscheidung wurden in Paris auch Informationen betreffend der nächsten Saison bekanntgegeben. So wird die WM 2011 die Rekord-Anzahl von 20 Rennen umfassen. Als 18. und drittletztes Rennen kommt am 30. Oktober Indien neu im Kalender hinzu. Der Lauf wird auf einem Kurs bei Neu Delhi stattfinden. Die Saison beginnt wie dieses Jahr in Bahrain (13. März) und endet am 27. November 2011 in Brasilien.

Wie in der laufenden Saison bleibt der Startplatz für ein 13. Team vorerst weiterhin unbesetzt. Die FIA erteilte am Mittwoch allen verbliebenen Bewerbern eine Absage. Aus dem Rennen ist damit auch der ehemalige Weltmeister Jacques Villeneuve mit seinem Projekt. "Keiner der Kandidaten erfüllt die Anforderungen für eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft", teilte die FIA mit. Angeblich waren auch das spanische Team Epsilon Euskadi und Stefan GP des serbischen Geschäftsmanns Zoran Stefanovic an einem Start in der Königsklasse interessiert.

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