15.07.2020 08:30 |

Bauern im Paznaun:

„Haben Angst, noch weitere Schafe zu verlieren“

Sieben tote Schafe, ein abgestürzter Ochse, zahlreiche verstörte Tiere und geschockte Bauern, die nun die Reißleine gezogen haben: Wie in Serfaus haben auch die Schafbauern der Versing Alm (See und Kappl) 71 Tiere aus Angst vor einem Wolf ins Tal getrieben. Die Entnahme von Problemwölfen ist für sie die einzige Alternative.

„Mit Freude und Demut betreibt unsere Familie bereits seit Jahrzehnten Schafhaltung mit aktiver Almwirtschaft“, betonen Franziska und Michael Pircher, die vor wenigen Wochen ihren Hof übernommen haben. Nachdem in der Nacht auf Sonntag vermutlich ein Beutegreifer im Gebiet der Versing Alm sein Unwesen getrieben hat und sieben Schafe der Bauernfamilie gerissen haben dürfte, stehen die restlichen Tiere nun frühzeitig wieder im Stall.

„Wissen nicht, wie es weitergehen soll“
„Wir wissen derzeit nicht, wie es unter diesen Umständen - und der Angst mit dem Wolf im Nacken - weitergehen soll“, sind die beiden Paznauner völlig ratlos. Ihr Sohn Emilio (9) bringt es auf den Punkt: „Ich habe Angst, noch mehr von unseren Schafen zu verlieren!“

Tiere waren verschreckt und völlig verängstigt
Auch wenn die DNA-Untersuchung noch auf sich warten lässt, steht für die Almverantwortlichen und betroffenen Almbauern außer Zweifel, dass ein oder gleich mehrere Wölfe zugeschlagen haben. „Wir haben Sonntagmittag einen Teil der Herde im Tal unweit des Dorfkerns entdeckt. Ich habe noch nie so verschreckte und übermüdete Schafe gesehen“, meint Bernhard Pircher, Obmann der Agrargemeinschaft Versing Alpe.

„Wolfsfreie Zone“ gefordert
„Zum Teil wiesen die Tiere Kratz- und Blutwunden auf.“ Ein junger Ochse dürfte vor dem Wolf in steiles Gelände geflüchtet und aus Panik in den Tod gestürzt sein. Weitere kleinere Herden wurden im Laufe des Tages aufgescheucht und im Umkreis von mehreren Stunden Fußmarsch gefunden. „Bei den Tieren reicht normalerweise ein Ruf und sie kommen zusammen. Sie waren aber völlig verschreckt“, weiß der Almobmann, der nun die sofortige „Entnahme der Problemwölfe“ und mittelfristig eine „wolfsfreie Zone“ im Land fordert. „Das Thema Beutegreifer ist auch für die Tourismuswirtschaft ein Problem“, warnt Pircher.

Auch Ortsbauernobmann und Gemeinderat Hubert Zangerl sieht es ähnlich: „Der Wolf und eine funktionierende Almwirtschaft ist bei uns nicht möglich.“

LHStv. Josef Geisler kündigte für die nächsten Tage Gespräche an: „Das Leid der Nutztiere ist enorm, wir können hier nicht tatenlos zusehen.“ Steht nun sogar eine Kehrtwende der Politik bevor?

Samuel Thurner
Samuel Thurner
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