13.07.2020 11:59 |

Zu wenig Plasmaspenden

Engpass bei lebenswichtigen Medikamenten droht

Seit mehr als hundert Tagen sind in Österreich wieder alle Plasma-Spendezentren geöffnet, dennoch ist die Zahl der Spender seither sehr gering - die Auslastung liegt aktuell weit unter 100 Prozent. Der Verband der pharmazeutischen Industrie (Pharmig) warnt nun, dass dadurch die Produktion potenziell lebenswichtiger Medikamente gefährdet sein könnte. Das Blutplasma dient als Grundstoff für viele Arzneimittel.

„Wird kein oder zu wenig Plasma gespendet, gefährdet das die Versorgung Kranker mit dringend benötigten Arzneimitteln. Denn Blutplasma wird gerade jetzt in Zeiten des Coronavirus dringend benötigt, um lebensrettende oder lebenserhaltende Medikamente für Patientinnen und Patienten in Österreich herstellen zu können“, appellierte Alexander Herzog, Generalsekretär des Verbandes, an die Bevölkerung.

Spenderplasma nicht ersetzbar
Da Plasmapräparate nicht synthetisch erzeugt werden können, ist Spenderplasma nicht ersetzbar. „Wenn die Bevölkerung den Plasma-Spendezentren weiterhin fernbleibt, laufen wir Gefahr, in einem halben Jahr einen Engpass bei Arzneimitteln aus Blutplasma zu haben“, so Herzog. Durch die Pandemie kam es zu einem starken Rückgang an Spenden, der teilweise sogar bei 50 Prozent liege.

Jedes Jahr werden bis zu 500.000 Liter Blutplasma in Österreich zu Arzneimitteln verarbeitet. Das können Antikörper-Präparate genauso sein wie Fibrinkleber für die Chirurgie oder Blutgerinnungsfaktoren etc. Der Herstellungsprozess vom Zeitpunkt der Plasmaspende bis zum fertigen Plasmapräparat kann zwischen sieben und zwölf Monaten dauern, was kontinuierliches Sammeln von Blutplasma essenziell macht.

Spenden könnten Corona-Medikament ermöglichen
Um die Coronavirus-Pandemie einzudämmen, hat die Europäische Kommission die Mitgliedsstaaten der EU um Unterstützung bei der Aufstockung von Blutplasma-Beständen gebeten. Auch die Österreichische Ärztekammer hat dazu aufgerufen, Blutplasma zu spenden. Insbesondere wieder genesene Covid-19-Patienten wurden zur Spende von Blutplasma gebeten, weil die darin enthaltenen Antikörper bei Erkrankten eingesetzt werden.

Darüber hinaus haben sich Plasma-Spendeinstitutionen und Hersteller von Plasma-Medikamenten zu einer Allianz zusammengeschlossen, um gemeinsam die Entwicklung eines markenunabhängigen Anti-SARS-CoV-2-Hyperimmunglobulin-Medikaments zu beschleunigen.

Wer darf spenden?
Zum Plasmaspenden sind in Österreich alle Menschen ab einem Alter von 18 Jahren zugelassen. Dazu muss man sich gesund fühlen und telefonisch einen Spende-Termin beim nächstgelegenen Plasmazentrum vereinbaren.

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