12.07.2020 13:33 |

„Ein Monsterprojekt“

Graz: Umstrittene Denkmäler erhalten Erklärtafeln

In den USA und in anderen Ländern wie Großbritannien wurden im Zuge der aufgeladenen Rassismusdebatte Denkmäler zerstört. Dem soll vorgebeugt werden: Nach den bereits vom Gemeinderat beschlossenen Zusatztafeln für alle nach einer Person benannten Straßennamen will man in weiterer Folge nun auch Denkmäler und Gedenktafeln historisch erläutern.

„Das ist ein Monsterprojekt“, sagt Kulturstadtrat Günter Riegler (ÖVP). Es werde dafür vermutlich mehrere Jahre brauchen. Als erster Schritt sollen im Herbst die ersten 30 „besonders belasteten“ Straßennamen mit historischen Erklärungstafeln versehen werden. Insgesamt sind es laut dem Leiter der zuständigen Historikerkommission, Stefan Karner, über 700 Tafeln. Die Textvorschläge dafür sollen bis März kommenden Jahres vorliegen.

KPÖ wünschte sich Alfred-Kolleritsch-Gasse
Bei den Straßennamen stand zuletzt die Kernstockgasse (nach dem deutsch-nationalen Priester und Dichter Ottokar Kernstock, Anm.) im Grazer Griesviertel im Rampenlicht. Die KPÖ wünscht sich eine Umbenennung zu Ehren des Ende Mai verstorbenen Literaten Alfred Kolleritsch.

Stadtrat Riegler verweist auf den geltenden Gemeinderatsbeschluss, wonach es keinerlei Umbenennungen geben soll. „Ich hoffe aber, dass es bald einmal eine Kolleritsch-Gasse gibt“, sagte er im APA-Gespräch und verweist auf die Möglichkeit, eine Straße in einem der neu entstehenden Stadtteile Reininghaus oder Smart-City nach dem steirischen Schriftsteller zu benennen.

Kloepfer-Büste beschmiert
Vergangene Woche wurde die vor ein paar Wochen beschmierte Büste des (ebenfalls deutsch-nationalen) Dichters Hans Kloepfer (1867-1944) auf dem Grazer Schloßberg zur Reinigung entfernt. KPÖ-Gemeinderätin Christine Braunersreuther fordert in einem Antrag an den Gemeinderat eine kritische Kontextualisierung oder die permanente Entfernung des Denkmals. Ersteres scheint hinter den Kulissen bereits beschlossene Sache zu sein. Zweiteres dürfte wohl nicht infrage kommen.

Otto Hochreiter, Direktor des Grazmuseums, bestätigte, dass sowohl die Kloepfer-Büste als auch die beiden anderen von der KPÖ beanstandeten Denkmäler - jenes für die Vertriebenen aus dem heute slowenischen Teil des ehemaligen Herzogtums Steiermark und die hinter einer Schrifttafel eingemauerte Urne des im Dritten Reich populären Dichters Rudolf Hans Bartsch (1873-1952) - erklärende Zusatztafeln bekommen sollen.

„Ich bin kein Geschichtsvernichter“
Die KPÖ fordert die Entfernung der Urne Bartschs und eine Umbettung auf den Zentralfriedhof. Diese Forderung empörte vergangene Woche die FPÖ. Aber auch Museumsdirektor Hochreiter kann einer Verlegung der Urne nichts abgewinnen. „Ich bin kein Geschichtsvernichter“, so Hochreiter. Ihm sei es wichtig, Geschichte, insbesondere solche mit „Doppelcharakter“, in eine „strenge europäische Perspektive“ zu bringen.

Die Erläuterung der slowenischen Perspektive des Untersteirer-Denkmals glaubt Hochreiter bei seinen Mitarbeitern in besten Händen: „Wir haben genug Kapazitäten, um auch die slowenische Forschung mit einzubeziehen.“ Daher sei die Einbeziehung slowenischer Kollegen nicht notwendig, so Hochreiter. Eine zusätzliche slowenische Textierung des umstrittenen Denkmals kann er sich aber vorstellen.

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