01.07.2020 10:46 |

Astronomisches Rätsel

Einer der hellsten Sterne ist spurlos verschwunden

Ein internationales Forscherteam um Andrew Allan vom Trinity College im irischen Dublin steht vor einem Rätsel: In der rund 75 Millionen Lichtjahre von unserer Erde entfernten Kinman-Zwerggalaxie ist ein ganz besonders massereicher und extrem heller Stern einfach spurlos verschwunden, wie nun Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile gezeigt haben.

Zwischen 2001 und 2011 hatten die Forscher die Kinman-Zwerggalaxie, die den Himmelskörper, einen sogenannten instabilen „Leuchtkräftigen Blauen Veränderlichen“ (kurz LBV; das Video oben zeigt, wie der Stern ausgesehen haben könnte) beherbergt, regelmäßig mit den vier optischen Teleskopen (Bild unten) des VLT der ESO unter die Lupe genommen, um mehr darüber herausfinden, wie solche besonders massereiche Stern ihr Leben beenden.

Forscher: „Sanft in der Dunkelheit verschwunden“
Als die Astronomen die Teleskope im Vorjahr neuerlich auf die ferne Galaxie richteten, konnten sie die charakteristischen Signaturen des LBV-Sterns, der rund 2,5 Millionen Mal heller als unsere Sonne strahlte, nicht mehr finden. Seine charakteristische Signatur fehlte. „Stattdessen waren wir überrascht, als wir herausfanden, dass der Stern verschwunden war“, wird Allan auf der ESO-Website zitiert. „Wir haben vielleicht einen der massereichsten Sterne des lokalen Universums entdeckt, der sanft in der Dunkelheit verschwindet“, sagt Jose Groh vom Trinity College Dublin.

Die zwischen 2001 und 2011 erhobenen Daten würden darauf hindeuteten, dass die gewaltige Sonne im Sternbild Wassermann (Aquila) eine starke Ausbruchsperiode durchgemacht haben könnte, die vermutlich irgendwann nach 2011 endete. Leuchtkräftige LBV-Sterne wie dieser würden dazu neigen, im Laufe ihres Lebens gigantische Ausbrüche zu erleben, was dazu führe, dass sie drastisch an Masse verlieren, so die Forscher.

Stern ohne Supernova in Schwarzes Loch kollabiert?
Auf der Grundlage ihrer Beobachtungen und Modelle haben die Astronomen zwei Erklärungen für das Verschwinden des Sterns und das Fehlen einer Supernova vorgeschlagen, die mit diesem möglichen Ausbruch zusammenhängen. Der Ausbruch könnte dazu geführt haben, dass der LBV in einen weniger leuchtkräftigen Stern umgewandelt wurde, der auch teilweise durch Staub verdeckt sein könnte. 

Möglicherweise, so eine zweite These der Wissenschaftler, sei der Stern aber auch in ein Schwarzes Loch (Bild oben) kollabiert, ohne dabei eine Supernova-Explosion zu erzeugen. Das wäre „der erste direkte Nachweis eines solchen Riesensterns, der sein Leben auf diese Weise beendet“, sagt Astronom Andrew Allen.

Wilhelm Eder
Wilhelm Eder
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