Konsument entscheidet

Jetzt mehr denn je: Österreich isst regional

Die Corona-Krise zeigt es auf: Österreichs Landwirtschaft ist absolut systemrelevant. Wir alle konnten uns auch jetzt darauf verlassen, stets ausreichende und gesunde Lebensmittel zu bekommen.

Landwirtschaftsgipfel einmal anders. Ich stehe mit Bergbauer Hannes Royer auf der Spitze der Planai. „Weißt du, Maggie, wie das hier aussehen würde, wenn wir keine Landwirtschaft hätten?“ Unvorstellbar, unser wunderschönes Land ohne saftige Wiesen, Kühe, Schafe, oder Ziegen. Erst die Bewirtschaftung durch unsere Bauern lässt die Landschaft vom Tal bis hinauf auf die Almen so prächtig aussehen, dass jedes Jahr Tausende Menschen aus der ganzen Welt zu uns kommen wollen. Viel Arbeit und ein riesiger Wirtschaftsfaktor, für den Bauern viel zu wenig Beachtung erfahren.

Unsere Bauern sterben aus
Hannes Royer ist nicht nur mit Leib und Seele Bauer. Er hat vor fünf Jahren auch den Verein „Land schafft Leben“ gegründet. Seine Familie bewirtschaftet seit 800 Jahren den Schattenschupferhof im Ennstal. Und auch eine seiner Töchter will dieses Erbe weiterführen. Aber immer weniger junge Menschen wollen als Landwirte arbeiten. Jeden Tag werden bei uns in Österreich zwölf Stalltüren geschlossen. Für immer.

Hannes Royer will diesem Bauernsterben mit und durch seinen Verein entgegenwirken. „Es geht nicht um uns Bauern, es geht um unser aller Lebensraum“, erzählt mir Hannes, und man spürt dabei seine Leidenschaft, etwas verändern zu wollen. Das globalisierte Lebensmittel mag zwar billiger sein, aber ist es auch krisenfest und enkeltauglich? Erst die Corona-Krise hat die Verwundbarkeit von lebenswichtigen Produktionszweigen vielen ins Bewusstsein gerückt. Dennoch sind unsere Bauern extremem Preisdruck ausgeliefert. Wir haben hohe Sozial- und Umweltstandards, dadurch steigen die Produktionskosten.

Wir haben hohe Tier- und Umweltschutz-Auflagen
„Wir sind zu Recht stolz auf unsere weltberühmte Kultur. Die ist ein Verkaufshit. Aber die Agrikultur, die Landwirtschaft und ihre Produkte, die soll es billig geben?“, ereifert sich Hannes. Denn die muss im internationalen Wettbewerb trotz hoher Auflagen bei Tierwohl, Umweltschutz und bei den Sozialstandards bestehen. „Wenn wir weiterhin eine produzierende Landwirtschaft haben wollen, gerade auch für den Krisenfall, und wenn wir wollen, dass die sich dort verbessern kann, wo es notwendig ist, dann sind wir alle absolut gefordert!“, so sein Appell.

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Gerade in dieser Zeit sehen wir, wie wichtig es ist, dass Regionalität gefördert und unterstützt wird. So können wir in Zukunft für unsere Bevölkerung eine Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln erreichen. Um diese Selbstversorgung nachhaltig sicherzustellen und die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren, braucht es einen Schulterschluss zwischen Landwirtschaft, Lebensmittelhandel und der Gastronomie. Wir wollen ein klares Bekenntnis zu Produkten aus Österreich.

Bundeskanzler Sebastian Kurz

Natürlich auch die Politik. Normalerweise kommentiert Hannes Royer ganz bewusst keine politischen Statements, aber dass sich Bundeskanzler Sebastian Kurz mitten in der Krise hinstellt und das Motto ausgibt: „Österreich isst regional“, findet er schon bemerkenswert. Genauso die Initiative von Ministerin Köstinger, die den Anteil heimischer Lebensmittel in der öffentlichen Beschaffung drastisch erhöhen will. Und um den Konsumenten den Einkauf österreichischer Produkte zu erleichtern, wurde die Plattform „Frisch zu mir“ gegründet.

Die Macht der Konsumenten
Aber es gibt noch viel zu tun! Wenn der Gesetzgeber etwa bei der Hendlproduktion die weltweit strengsten Auflagen in Sachen Tierwohl vorgibt, und dann aber beim Backhendl in den Kasernen billigeres ungarisches Huhn unter der Panier zum Vorschein kommt, so ist das absurd, kritisiert Royer. Neben der Politik haben auch alle Konsumenten einen Auftrag. Jeder Einzelne von uns hat es in der Hand: „Mit jedem Griff ins Regal erteilen wir einen Produktionsauftrag“, sagt Hannes und zitiert eine neue Studie der Uni Linz, wonach 20 Prozent mehr heimische Lebensmittel statt weltgereister Produkte 46.000 zusätzliche Arbeitsplätze bedeuten und das BIP um 4,6 Milliarden Euro erhöhen würden. Wenn wir zukünftig öfter Österreich ins Einkaufswagerl legen, dann sichern wir langfristig eine krisenfeste Versorgung mit Lebensmitteln.

Maggie Entenfellner, Kronen Zeitung

Mit „Frisch zu Mir“ einkaufen
Die Nachfrage nach österreichischen Produkten, die zugestellt werden, wird immer größer. Aus diesem Grund und um regionale Betriebe – vom Bauernhof bis hin zum Landgasthof – zu unterstützen, wurde die Plattform „Frisch zu mir“ ins Leben gerufen. Ob Fleisch, Milch, Eier, Obst, Gemüse, Fisch, Brot oder auch bereits zubereitete Mahlzeiten – die Betriebe bringen Ihren Einkauf direkt zu Ihnen nach Hause! So einfach und bequem war nachhaltiges Einkaufen noch nie. Bundesministerin Elisabeth Köstinger und Christina Mutenthaler, Leiterin des Netzwerks Kulinarik, machen es möglich! Mehr dazu finden Sie in den kommenden Wochen auch unter www.krone.at/frischzumir.

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Freitag, 15. Oktober 2021
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