18.06.2020 16:45 |

Corona in Schlachthof

Wütender Protest vor Villa des Geschäftsführers

Wegen des Corona-Ausbruchs in seinem Schlachthof in Nordrhein-Westfalen gerät der Fleischproduzent Clemens Tönnies immer stärker ins Kreuzfeuer der Kritik. Mehr als 700 seiner Angestellten im Landkreis Gütersloh wurden bereits positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Rund 7000 weitere Kontaktpersonen befinden sich, wie berichtet, in Quarantäne. Viele werfen dem Tönnies-Miteigentümer fahrlässiges Handeln und die Gefährdung von Menschenleben aus Profitgier vor. Am Donnerstag protestierten zahlreiche wütende Menschen vor der Villa des 63-jährigen Unternehmers.

„Herr Tönnies beschäftigt Tausende Leiharbeiter aus Osteuropa zu niedrigen Löhnen. Diese Menschen wohnen oft in katastrophalen Unterkünften“, schimpfte eine 35-jährige Demonstrantin gegenüber bild.de. Einige Demonstranten nahmen auch ihre Kinder mit, die nun erneut vor geschlossenen Schul- und Kindertagestättentoren stehen. Denn vorsichtshalber wurden sämtliche Schulen und Kitas geschlossen. Der Hauptschuldige in den Augen der betroffenen Eltern ist Clemens Tönnies. Sein Unternehmen hat für mindestens zwei Wochen den Betrieb komplett eingestellt.

Einen kompletten Shutdown für den Landkreis Gütersloh will die Landesregierung trotz der alarmierenden Infektionszahlen vermeiden. Landrat Sven-Georg Adenauer erklärte gegenüber dem ZDF-„Morgenmagazin“: „Ein Shutdown für den gesamten Kreis Gütersloh wäre unerträglich, und den möchte ich so lange es geht vermeiden. Wir wissen genau, wo sich das Virus aufhält.“

Experten vermuten „Superspreader-Event“
Allerdings ist noch unklar, wie es zu so einem Massenausbruch gekommen ist. Die Grenzöffnungen und das lange Fronleichnam-Wochenende, über welches sich zahlreiche rumänische und bulgarische Angestellte von Tönnies in ihre Heimat begeben haben, wurden zunächst als mögliche Infektionsquelle vermutet. Doch nun wird diese Theorie immer mehr in Zweifel gezogen. Aufgrund der längeren Inkubationszeit vermuten Experten eher ein länger zurückliegendes „Superspreader-Event“.

Diese These soll auch durch ein vor Kurzem aufgetauchtes Video aus der Kantine des Schlachtbetriebs gestützt werden. Dort sieht man dicht gedrängte Angestellte, die ihr Mittagessen zu sich nehmen. Weder die notwendigen Abstände werden eingehalten, noch sieht man Schutzmasken oder Plexiglasscheiben als Trennwände zwischen den einzelnen Tischen.

Video zeigt volle Kantine: „Wie sollen wir uns schützen?“
„Das ist Tönnies. Tausende von Arbeitern sitzen hier an den Tischen. Wie sollen wir uns hier schützen?“, hört man die Urheberin des Handyvideos im Hintergrund fragen. Das Video soll Anfang April entstanden sein.

Gabor Agardi
Gabor Agardi
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