12.06.2020 06:30 |

Rundgänge für Grazer

Mit Fremdenführer durch die eigene Nachbarschaft

Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah! Schon seit vielen Jahren bieten die GrazGuides Führungen für Einheimische an. In der Zeit nach Corona, wo der Tourismus sich noch lange nicht erholt hat, sind sie die wichtigste Zielgruppe. Die „Krone“ ging mit David Zottler auf Streifzug durch die Murvorstadt.

„Die Welt ist voller Schätze. Man geht nur meistens an ihnen vorbei“, sagt David Zottler und zeigt auf eine ungewöhnliche Skulptur der Heiligen Familie über einer Hofeinfahrt in der Mariahilferstraße. „Die ist mir ja noch nie aufgefallen, und ich hab’ viele Jahre ums Eck gewohnt“, entfährt es einer Dame auf dieser Tour durch die Bezirke Gries und Lend.

Führungen für Einheimische
Bereits seit vielen Jahren bieten die GrazGuides unter dem Titel „Graz für Grazer“ eigene Führungen für Einheimische an - und sind damit Kollegen in anderen Städten, die sich nur auf Touristen spezialisiert haben, um einiges voraus.

Zottler hat es die Murvorstadt besonders angetan: „Von Frohnleiten bis Leibnitz gab es einst nur eine einzige Brücke über die Mur - hier in Graz. Dementsprechend belebt war es.“ Das zog Menschen aus aller Herren Länder an: „Schon im 16. Jahrhundert wurde gesagt, dass man in Gries kein Wort Deutsch mehr hört. Die Fremden, über die man gelästert hat, waren Italiener. Sie haben jenes südliche Flair in die Stadt gebracht, das wir heute schätzen.“

Geschichten an jeder Straßenecke
Solche Geschichten kann man bis heute an jeder Straßenecke finden - wenn man weiß, wo man suchen muss: „Nur wenige wissen, dass auch Teile von Lend und Gries zum Weltkulturerbe gehören. Ein Unesco-Logo am Straßenschild verrät, welche“, erklärt Zottler. Es macht ihm sichtlich Spaß, Grazern den Blick für ihre eigene Stadt zu öffnen.

Gerade jetzt sind diese als Zielgruppe noch wichtiger. Rund 1000 Führungen haben die GrazGuides im Vorjahr zwischen März und Juni durchgeführt - heuer war im Kalender von Zottler in diesem Zeitraum „absolute Leere“. Es gab keine Reisegruppen, keine Kongressbesucher, die an freien Tagen die Stadt sehen wollten. Und so schnell wird sich daran nichts ändern.

Aber Zottler ist kein Schwarzmaler: „In jeder Krise liegt eine Chance - zum Beispiel die Chance, die Heimat besser kennen zu lernen.“ Und das sehen wohl viele Steirer so, denn sein Kalender füllt sich langsam wieder.

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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