05.06.2020 13:32 |

Tochter vor Gericht

Überfall auf eigenen Vater geplant: Haftstrafe

Zu mehrjährigen Haftstrafen sind am Freitag eine 22-jährige Wienerin und zwei Freunde verurteilt worden, weil sie den Vater der jungen Frau im Dezember 2019 überfallen und fast 29.000 Euro erbeutet hatten. Der Betreiber eines Lokals in der Innenstadt führte regelmäßig eine riesige Geldsumme in seinem Auto mit. Das wusste die 22-Jährige, die den Überfall in Auftrag gab.

Die Angeklagte wurde wegen schweren Raubes zu 6,5 Jahren, ihr Lebensgefährte zu 7,5 Jahren und dessen Cousin zu 5,5 Jahren verurteilt. Alle Beteiligten nahmen den Richterspruch an, das Urteil ist somit rechtskräftig.

Seit vier Jahren lebte das Paar in einer Wohnung, als die finanzielle Lage der beiden im Sommer 2019 immer prekärer wurde. Der Vater der 22-Jährigen hatte die Zahlungen nach heftigen Auseinandersetzungen eingestellt, ihr gleichaltriger Freund steckte alles in seine Drogensucht. „Wir hatten gerade das Geld zum Leben“, meinte der 22-Jährige zum Schöffengericht.

Schulden in Millionenhöhe
Hinzu kommt, dass die beiden Schulden im Millionenhöhe haben, wie der junge Mann bei der Befragung zu seinem Vermögen vor Gericht aufhorchen ließ. Vor zwei Jahren standen sie wegen des Großbrandes einer Wiener Veranstaltungshalle vor Gericht und schulden der Versicherung immer noch Geld.

Nachdem auch noch die Delogierung drohte, wurde der Plan geschmiedet, den wohlhabenden Lokalbetreiber zu überfallen. Zunächst sollte es nur ein „Denkzettel“ wegen Vorfällen sein, die in der Vergangenheit passiert sein sollen, gab der 22-Jährige an. Details dazu nannten weder er noch seine Freundin. Doch dann erfuhr der junge Mann von dem Geld, das der Restaurantbesitzer oft bei sich trug. Vier Monate lang überlegten die beiden, wie sie vorgehen sollten. Da der Restaurantbesitzer immer gegen 4 Uhr das Haus in Hietzing verlässt und dabei diese Monatsumsätze bei sich hatte, sollte das der Zeitpunkt des Überfalls sein.

„Hab es aus Liebe zu meinem Cousin getan“
Mit ins Boot wurde der 26-jährige Cousin des jungen Mannes geholt, weil dieser über ein Auto verfügte. „Ich habe es aus Liebe zu meinem Cousin getan“, sagte der 26-Jährige, der bisher nie gerichtlich in Erscheinung getreten war und nach einer Kochlehre sogar die Matura nachgeholt hatte. Der 22-Jährige habe ihm versprochen, danach eine Drogentherapie zu beginnen. „Ich bin mit ihm aufgewachsen.“ Mehrere Wochen vor dem Überfall observierten sie den Mann, um seine Gewohnheiten zu studieren. Da sie bemerkten, dass der Mann recht groß und kräftig ist, kaufte der 22-Jährige eigens eine 40 Zentimeter lange Eisenstange, um den Wirt außer Gefecht zu setzen.

Am 14. Dezember 2019 setzten sie ihre Pläne in die Tat um. Das Trio fuhr um 4 Uhr mit dem Auto in die Nähe der Wohnung. Die Tochter wartete im Fahrzeug, während ihre beiden Komplizen zum Wagen des Vaters gingen. Als sich der Unternehmer ins Auto setzte, schlug der 22-Jährige mit der Eisenstange auf den Mann ein. Der Unternehmer erlitt einen Bruch des Oberkiefers und des Jochbeins. Der 26-Jährige schnappte sich unterdessen vom Beifahrersitz die Aktentasche mit dem Geld, einem Handy und Schlüsseln.

Angreifer trotz Maskierung erkannt
Obwohl die Männer mit Sturmhauben und Handschuhen maskiert waren, erkannte der Wirt in dem Angreifer den Partner seiner Tochter wieder. Sehr schnell wurden die drei ausgeforscht und festgenommen. Der Großteil der Beute konnte sichergestellt werden. Die Eisenstange hatten sie in der Donau versenkt.

Alle drei bekannten sich am Freitag vollinhaltlich geständig. „Ich hätte das niemals machen sollen“, sagte die 22-Jährige. Aber sie habe aufgrund einer Vorgeschichte nie ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater gehabt. Das Trio muss dem Restaurantbesitzer auch 4300 Euro Schmerzensgeld zahlen.

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