09.01.2020 14:00 |

Geldhahn abgedreht

Tochter (21) ließ Vater mit Eisenmeißel überfallen

Weil er seiner eigenen Tochter den Geldhahn abdrehte und ihre Delogierung aus der Gemeindewohnung ins Haus stand, schmiedete eine junge Wienerin irrwitzige Rachepläne. Gemeinsam mit ihrem gleichaltrigen Freund (21) und dessen 25-jährigen Cousin überfiel die Frau ihren Vater brutal - um ihm die Monatslosung seiner Trattoria zu rauben. Mit dem Geld lebte das Trio auf großem Fuß, ging für Luxuskleidung auf Shoppingtour.

Nachdem sie den Vater - der 49-Jährige besitzt eine Trattoria in der Wiener Innenstadt - einige Tage ausgekundschaftet hatten, um seine Gewohnheiten zu studieren, schlugen sie in den frühen Morgenstunden des 14. Dezember zu. Mit Kapuze vermummt, sprach der 25-Jährige den Lokalchef in dem Moment an, als er aus seiner Wohnung in Wien-Hietzing kam und in sein Auto steigen wollte.

Abgelenkt von dem Gespräch, schlich sich der Freund seiner Tochter von hinten an und zog ihm wuchtig einen 40 Zentimeter langen, zuvor im Baumarkt gekauften Eisenmeißel über den Schädel. Während der 49-Jährige schwerst verletzt mit zertrümmertem Gesicht (er erlitt unter anderem einen Jochbein- und Kieferbruch) am Boden lag, wartete die Tochter im Fluchtauto. Das Trio flüchtete mit der Monatslosung des Lokals in der Höhe von mehreren Zehntausend Euro erst nach St. Pölten, um die Beute aufzuteilen. Danach ging die Reise in den 20. Wiener Gemeindebezirk, um ein 100 Quadratmeter großes Luxus-Appartement zu beziehen.

Haupttäter gesteht und führt zu Komplizen
Doch bei der Polizei äußerte das Raubopfer bereits kurz nach der Tat den haarsträubenden Verdacht gegenüber seinem eigenen Nachwuchs. Und so stießen Beamte des Landeskriminalamts Außenstelle Wien-Süd noch in der Nacht auf den 15. Dezember auf den mutmaßlichen Haupttäter. Der gestand die Tat, verwies jedoch auf seine Freundin als Anstifterin des grauenhaften Überfalls. Auch sie wurde einen Tag darauf geschnappt.

Der Cousin des Mannes ging wenige Stunden später ins Netz. Er hatte noch versucht, die Beute in einem Kopfpolster des Hotelzimmers zu verstecken, einen anderen Teil in einem Floridsdorfer Park zu vergraben. Die Aktentasche, in der der Vater sein Erspartes verstaut hatte, hatte das Trio an einem Parkplatz an der Donau in Wien-Leopoldstadt verbrannt, den Eisenmeißel in den eisigen Fluten versenkt. Polizeitauchern gelang es, die Tatwaffe zu bergen.

Das Trio sitzt in U-Haft, es drohen bis zu 15 Jahre Haft wegen schweren Raubes und Verdacht auf die Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Neue Kleidung statt waschen
In den Vernehmungen gab die Tochter den banalen Grund für den Gewaltausbruch bekannt. Ihr Vater wollte ihr Leben nicht mehr finanzieren. Die arbeitslose 21-Jährige - auch ihr Freund hatte noch nie einen Job - lebte auf großem Fuß in einer Gemeindewohnung in Wien-Landstraße. Immer wieder kauften sie um mehrere Tausend Euro Kleidung, die sie meist nur einmal trugen und nie wuschen. Das dreckige Geschirr stapelte sich, da sie, anstatt es abzuwaschen, stets neue Teller und Gläser kauften. Doch in der verschmutzten Messi-Wohnung stand die Delogierung des Pärchens an. Und ein grausamer Plan nahm seinen Lauf.

Auch Oberst Gerhard Winkler ist entsetzt: „Die Täter-Opfer-Beziehung ließ uns kalte Schauer über den Rücken laufen. Die heimtückische und brutale Ausführung des Überfalls schockiert, doch können wir stolz sein, den Fall innerhalb weniger Tage restlos geklärt zu haben.“

Stefan Steinkogler, Kronen Zeitung

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