22.05.2020 07:15 |

Programm-Entwurf

Festspiele spüren Druck von allen Seiten

Zeitnot zwingt Intendant Markus Hinterhäuser zur Quadratur des Kreises. Am Montag legt er dem Kuratorium einen Programmentwurf vor. Dabei erscheint die Verordnung zu Kultur-Auflagen ebenfalls erst am Montag. Hinterhäuser steht nicht nur deshalb unter Druck – der Tourismus will möglichst lange Festspiele.

Fix ist offenbar, dass die Festspiele den „Jedermann“ am 22. August auf dem Domplatz auf die Bühne bringen – genau hundert Jahre nach der Premiere. Das ist das „starke künstlerische Zeichen“, von dem Präsidentin Helga Rabl-Stadler oft sprach. Eine reine Konzentration des Festivals auf die letzte Augustwoche widerspricht jedoch den Interessen der Salzburger Touristiker: Normalerweise bringen die Spiele der Branche 50 Millionen Euro Wertschöpfung. „Wir wollen natürlich, dass den ganzen Monat gespielt wird. Je länger, desto besser ist unsere Auslastung“, so Walter Veit von der Österreichischen Hoteliervereinigung.

Wie das aussehen soll, fragt sich wohl auch Hinterhäuser. Viele Solisten- und Kammerkonzerte wären denkbar. Präsidentin Helga Rabl-Stadler betonte am Mittwoch erneut, dass die größten Unklarheiten bei Orchestern, Chören und Proben herrschen. Kombiniert man diese Felder, scheinen große Opern kaum umsetzbar. Aus dem Kuratorium heißt es: „Sie sind unwahrscheinlicher als Solistenkonzerte. Wir brauchen nun Rechtssicherheit, um daraus Absagen ableiten zu können.“ Und: Für Produktionen wie „Don Giovanni“ müssten viele Ausländer einreisen: im konkreten Fall der Chor und das Orchester von musicAeterna. Die Reisebeschränkungen in Russland verhindern das Spiel der St. Petersburger. Gar keine Opern also? „Der Messias“ könnte auf die Bühne treten. Er würde aus dem Programm der Mozartwoche übernommen und bräuchte wohl nur Auffrischungsproben. Aber auch hier beuteln die unklaren Hygieneregeln die Musiker aus Wien und Grenoble.

Möglich ist daher auch ein schauspiellastiges Festival mit kleineren Ensembles. Neben dem Domplatz bietet sich das Landestheater als Veranstaltungsort an. Intendant Carl Philip von Maldeghem war an der Erarbeitung eines Maßnahmenkataloges für Theater beteiligt. Der könnte als Grundlage für ein Sicherheitskonzept dienen, das das Direktorium für Veranstaltungen bis 1000 Besucher braucht – und den Festspielen Zeit sparen. Auf dem Plan stehen zum Beispiel das Handke-Stück „Zdeněk Adamec“ und das „Bergwerk zu Falun“ von Hugo von Hofmannsthal.

Druck von allen Seiten lastet auf Hinterhäuser. Er schweigt. Aus dem Kuratorium ist zu hören: „Wir haben kaum Zeit. Man kann es die Quadratur des Kreises nennen. Wir müssen trotzdem gute Arbeit machen und das werden wir.“

Christoph Laible
Christoph Laible
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