AMS-Chef erklärt:

„Zum Feiern gibt’s am Tag der Arbeit nichts!“

Die Arbeitslosigkeit ist derzeit so hoch wie noch nie nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Auch wenn es erste Anzeichen dafür gibt, dass mit dem Neustart der Wirtschaft wieder Arbeitskräfte aufgenommen werden – der Weg ist weit. Mit AMS-Chef Sven Hergovich sprach „Krone“-Redakteur Lukas Lusetzky.

Normalerweise wird am 1. Mai der Tag der Arbeit gefeiert. Eine provokante Frage: Haben wir heuer eigentlich etwas zu feiern?

Es wird niemanden überraschen, dass mir als AMS-Chef der Tag der Arbeit sehr wichtig ist. Arbeit ist für jede und jeden Einzelnen und das gesellschaftliche Zusammenleben enorm bedeutend. Zum Feiern gibt es auf dem Arbeitsmarkt aber derzeit leider nichts. Wir haben in den vergangenen Wochen den größten jemals gemessenen Arbeitslosigkeitsanstieg erlebt und haben nun die höchste Arbeitslosigkeit seit dem Zweiten Weltkrieg. In dieser dramatischen Situation ist es unsere wichtigste Aufgabe, einerseits möglichst viele Arbeitsplätze durch die Kurzarbeitsbeihilfe zu retten und andererseits sicherzustellen, dass die Hunderttausenden zusätzlichen Arbeitslosen alle pünktlich ihr Arbeitslosengeld erhalten, um die Not nicht unnötig zu vergrößern.

Wie sehen Sie die Entwicklung in den kommenden Monaten? Also in jener Zeit, in der das Land langsam wieder hochgefahren werden soll.

Die Unternehmen werden Schritt für Schritt wieder Arbeitskräfte aufnehmen. Aber die Arbeitsaufnahme wird leider nicht in allen Fällen gelingen, und die Arbeitslosigkeit wird daher deutlich über dem Vorkrisenniveau bleiben und auch noch – verglichen mit den Werten des vergangenen Jahres – länger und kräftig steigen. Vor allem Personen ohne Ausbildung oder mit gesundheitlichen Problemen kommen beim beruflichen Wiedereinstieg unter Druck.

Wirtschaftsforscher sagen, dass die Wirtschaft bis zu vier Jahre benötigen könnte, um sich zu erholen. Ist das auf dem Arbeitsmarkt ähnlich?

Ja, denn Wirtschaft und Arbeitsmarkt bedingen einander. Hinzu kommt die Verflechtung mit ausländischen Märkten, die unsere Wirtschaft und damit die Arbeitskräftenachfrage stark beeinflussen. Im schlimmsten Fall könnte es sogar noch länger dauern.

Wie geht es Ihren Mitarbeitern angesichts dieser Rekordarbeitslosigkeit?

Angesichts der Flut an zusätzlicher Arbeit und des vielen persönlichen Leides, welches meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hautnah erleben, bin ich beeindruckt, was sie leisten. Um möglichst viele Unternehmen und Arbeitsplätze zu retten, haben wir uns vorgenommen, dreimal schneller als in der letzten Krise zu sein und 500 Kurzarbeitsanträge pro Tag zu genehmigen.Tatsächlich genehmigen meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jeden Tag trotz sorgfältiger Prüfung mehr als 1000 Anträge! Viele verzichten auf Urlaub, arbeiten am Wochenende durch und machen massenhaft Überstunden. Der starke Zusammenhalt und das Engagement des Teams im AMS NÖ machen mich unfassbar dankbar und stolz.

Gibt es einen Silberstreif am Horizont?

Diese Krise wird zu Ende gehen, auch wenn uns die Folgen noch lange Zeit beschäftigen werden. Die Menschen wünschen sich nichts mehr, als wieder zu arbeiten, und die Betriebe, dass sie wieder öffnen können. Wir werden dabei helfen durchzustarten.

Lukas Lusetzky
Lukas Lusetzky
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