21.04.2020 11:30 |

Viele Änderungen

Harte Zeiten für Drogenabhängige in Tirol

Jede persönliche Krisensituation wird durch das Coronavirus noch weiter verschärft. Die „Krone“ zeigt auf, wie man gerade jetzt in Tirol für Menschen mit Drogensucht sorgt.

Bei den Drogenberatungsstellen der Caritas laufen die Leitungen heiß. „Die Strukturen des Alltags fallen momentan weg. Die Menschen sind deshalb sehr besorgt und suchen nach Anlaufstellen, die ihnen Sicherheit und Hilfe anbieten“, berichtet Caritasdirektor Georg Schärmer.

Tirols Suchtberatungsstellen konnten seit dem Beginn der Corona-Krise nicht mehr neue Fälle verzeichnen als sonst. Auch das Rote Kreuz Tirol konnte keinen Anstieg von Einsätzen feststellen, die durch Drogenmissbrauch hervorgerufen wurden. Allerdings benötigen Einzelfälle ein erhöhtes Ausmaß an Beratung und Betreuung. Menschen mit ohnehin schon schweren Lebensumständen werden durch die globale Krise noch stärker belastet. Durch den Wegfall von unmittelbarem persönlichen Kontakt gestaltet sich die Situation noch komplexer und erfordert viel Fingerspitzengefühl vonseiten der Berater.

Fixe Unterkunft für Suchtkranke gesichert
Das Haus am Seespitz in Maurach am Achensee ist die einzige Therapieeinrichtung für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen in Tirol. Das Bleiberecht jener Menschen, deren Therapie in den vergangenen Wochen ausgelaufen wäre, wurde so lange verlängert, bis sich die Situation normalisiert hat.

Auch die Regelungen der Innsbrucker Mentlvilla wurden den Umständen angepasst: „Wir haben auf ein 24-Stunden-System umgestellt. Die Leute wären ohne unser Dasein obdachlos und gerade jetzt sollten Menschen mit einem geschwächten Immunsystem öffentliche Plätze meiden“, erklärt Caritasdirektor Schärmer.

Suchtgiftverordnung wurde entbürokratisiert
Der Zugang zu substituierenden Opioiden wird durch Corona erschwert. Um ihn auch jetzt zu gewährleisten, wurde die Suchtgiftverordnung erneuert und entbürokratisiert. Es ist nicht mehr notwendig, Dauerverschreibungen von Opioiden dem Amtsarzt vorzulegen, bevor diese an die Apotheke übermittelt werden. Betreuende Ärzte können diese unmittelbar ausstellen. Eine Ablichtung der Dauerverschreibung ist dem Amtsarzt allerdings innerhalb von drei Werktagen zu übermitteln.

Laut Schärmer funktioniert das System zwar größtenteils, aufgrund des Mangels an Ärzten, die substituierende Mittel verschreiben, herrscht dennoch Unsicherheit: „Das Schlimmste ist die Angst der Menschen, die nicht wissen, wie sie an die Substanz kommen sollen, ohne die sie es nicht durch den Tag schaffen“, verdeutlicht Schärmer die Situation der Betroffenen.

Jakob Häusle, Kronen Zeitung

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