21.04.2020 08:07 |

Risikopatient

Chronisch Krankem droht die Entlassung

Ein chronischer Asthmatiker und schwerer Epileptiker muss weiterhin zur Arbeit gehen, ansonsten droht ihm sein Chef mit der Entlassung. Für Risikopatienten fehlen derzeit (noch) klare Regeln.

Insgesamt 67.000 Menschen in Österreich sind Risikopatienten - für sie ist eine Ansteckung mit dem Coronavirus besonders gefährlich. Einer von ihnen, ein Salzburger Angestellter, hat sich in seiner Verzweiflung an die Arbeiterkammer gewendet. Der Mann leidet an chronischem Asthma und schwerer Epilepsie, was ihm ein ärztliches Attest auch bestätigt. Dennoch muss er weiterhin zur Arbeit gehen, denn sein Chef droht ihm per Anwaltsbrief mit der Entlassung, sollte er nicht wieder im Betrieb erscheinen.

„Ich bin seit vielen Jahren Arbeitnehmer-Vertreter, aber so ein krasser Fall ist mir schon lange nicht mehr untergekommen“, ist Arbeiterkammerpräsident Peter Eder schockiert. „Was muss noch passieren? Dass Risikogruppen zur Arbeit gezwungen werden?“, fragt Eder und fordert endlich klare Vorgaben von der Bundesregierung.

Regelung unklar: Mann muss weiter arbeiten
Tatsächlich ist die Rechtslage derzeit nicht eindeutig. Der Bund hält zwar fest, dass Risikopatienten „in weniger exponierten Bereichen einzusetzen“ sind. Anspruch auf Dienstfreistellung unter Entgeltfortzahlung hat man allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Beschäftigte in Bereichen der kritischen Infrastruktur haben keinen Anspruch.

Im Fall des betroffenen Salzburgers können auch die Experten der Arbeiterkammer nur dazu raten, weiter arbeiten zu gehen. Denn die rechtliche Grundlage für sein Zuhausebleiben fehlt. „Wir warten seit Wochen auf eine klare Regelung. Bis zur Zuerkennung des Status Risikopatient braucht es einen Entlassungsschutz“, fordert Eder vom Bund. Tatsächlich soll diese Woche eine Regelung kommen.

Arzt kann Risiko für Patienten abschätzen
Auch der Verein ChronischKrank wartet auf eine Lösung. Dort empfiehlt man gefährdeten Personen, von einem Arzt das Risiko abschätzen zu lassen. Wenn hohes Risiko besteht, sollte man sich unbedingt arbeitsunfähig schreiben lassen.

Magdalena Mistlberger
Magdalena Mistlberger
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