10.04.2020 13:04 |

Home-Learning

An dieses Semester erinnern sich alle

Jetzt sind Osterferien, aber seit drei Wochen lernen 73.000 Schüler in Salzburg von daheim aus. „Das System funktioniert, aber die Eltern stoßen an ihre Grenzen“, sagt eine Lehrerin.

Ab kommendem Mittwoch blinken bei Lehrerin Katharina Deutinger wieder grüne Lichter am Bildschirm. Betriebs- und Haushaltslehre steht nach Ferienende am Stundenplan. „Wir achten auf eine gute Mischung aus Theorie und Praxis“, erzählt Deutinger. Wie an allen Schulen in Salzburg unterrichten die Lehrer der Landwirtschaftsschule in Bruck ihre Schüler jetzt von zu Hause aus. „Bei den praktischen Aufgaben, wie Servietten falten oder bestimmte Gerichte kochen, stellen die Schüler ihr Ergebnis dann einfach per Video auf die Online-Plattform“, berichtet die Pädagogin.

Die Umstellung auf „Distance-Learning“ funktionierte auch am Gymnasium der Herz-Jesu-Missionare gut. „Wir erleben es als Chance, die Kinder lernen viel dazu“, berichtet Lehrerin Brigitte Kirchgatterer. Auch an der Neuen Mittelschule in Grödig will man nach den Feiertagen den Großteil der Aufgaben online anbieten. „Wir arbeiten auf Hochdruck. Ich habe den Kindern bis nach Ostern aber Arbeitsaufträge gegeben, die sie in der Zwischenzeit auch ohne Internet erledigen können“, erzählt eine Lehrerin. Für sie sei es extrem wichtig, die Kinder in der stressigen Zeit nicht noch zusätzlich zu belasten: „Jeder hat sein eigenes Lerntempo.“

Die Eltern sind zurzeit besonders gefordert

Nicht nur Schüler müssen sich auf die aktuelle Situation einstellen: „Ich habe das Gefühl, dass viele Eltern langsam an ihre Grenzen stoßen, verständlicherweise. Täglich bekomme ich Anrufe und Fragen zu den Aufgaben“, berichtet Katharina Moltinger, Lehrerin an der Volksschule Hallein. Man versuche den Eltern so gut wie möglich zu helfen. „Mit einem Video habe ich zum Beispiel versucht, den Kindern schriftliches Multiplizieren zu erklären.“ Das System funktioniere gut, auf Dauer sei die Belastung für Eltern aber sehr groß. „Einkaufen, arbeiten, Haushalt führen und nebenbei auch noch die Kinder unterrichten ist viel zu viel. Wenn es länger so weiter geht, brauchen wir in irgendeiner Form mehr Unterstützung“, erzählt eine Mutter der Volksschule Taxham.

Besonders während der Osterferien ist Unterstützung gefragt. In Salzburg meldeten sich über 2000 Lehrer, die rund 200 Schüler betreuen, hieß es aus der Bildungsdirektion.

Bildungsdirektor Rudolf Mair im Interview

Herr Mair, wie läuft das Online-Lernen für die Schüler?

Bislang habe ich viele gute Rückmeldungen erhalten. Die Umstellung auf Online-Lernen statt vor Ort hat funktioniert.

Wo muss gefeilt werden?

Gewisse Abläufe müssen noch besser koordiniert werden. Auch bei der Stoffmenge und den Aufgabenstellungen muss darauf geachtet werden, die Schüler nicht zu überfordern. Zudem benutzen Lehrer oft verschiedene Online-Lernplattformen. Da schauen wir, dass wir das vereinheitlichen.

Wie schätzen Sie die Situation der Eltern ein?

Eltern leisten momentan gewaltige Arbeit. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle. Wir wollen auch für Familien in prekären Situationen mehr Entlastung schaffen. Wenn Lehrer wissen, dass in Familien Spannungen zu groß werden, können diese Schüler unter Einhaltung aller Maßnahmen auch einige Tage in der Schule verbringen.

Stephanie Angerer
Stephanie Angerer
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