Beim Salzburg Summit hielt der britische Ex-Premier am Freitag, wofür er engagiert worden war: Der Europa-Gegner verteidigte den Brexit wie Donald Trump – das ist ein faustdicker Skandal, den sich Festspiel-Salzburg nicht verdient hat.
Kaum einen Kilometer Luftlinie entfernt von der offiziellen Eröffnung der Festspiele im Großen Festspielhaus platzte gestern am Vormittag Boris Johnson im Congress in Salzburgs Kulturidyelle. Beim Salzburg Summit, einer von der Industriellenvereinigung IV mitorganisierten Zusammenkunft von Wirtschaftsbossen und kluger Köpfe hielt der britische Ex-Premier eine verstörende Gastrede. Eine, wie sie zu erwarten gewesen ist. Eine, die sich die Mozartstadt in den Tagen der große Kulturfeiertage nicht verdient hat.
Die angesehene Wirtschaftsbibel „The Economist“ hatte den Ex-Tory-Politiker bei dessen Abdanken als Premier 2022 auf der Titelseite beim „Clownfall“ abstürzen lassen. Frei übersetzt: Der Fall des Clowns, den unzählige Skandale das Amt gekostet hatten. Als Skandal ist aber auch sein gut einstündiger Auftritt gestern zu sehen.
Der Brexit hat Leben gerettet
Boris Johnson
„Der Brexit hat Leben gerettet“, erklärte der 60-Jährige voller Überzeugung. Über 170.000 Corona-Tote auf Insel sprechen wie das Missmanagement und ein völlig desolates Gesundheitssystem dagegen. Dagegen spricht aus wirtschaftlicher Sicht auch die Entwicklung der Londoner Börse im Vergleich etwa zu jener in Frankfurt. Der DAX hat seit Ende 2021 über 30 Prozent zugelegt, der London Stock Exchange fünf Prozent eingebüßt.
Johnson, der Trump unlängst getroffen hat, verteidigte zudem den Präsidentschaftskandidaten in den USA. Man solle ihn, Trump, nicht am Stil, sondern an seinen Taten messen. Eine bemerkenswert dumme Aussage, wenn man bedenkt, dass Trump 2021 nach verlorener Wiederwahl den Sturm aufs Kapitol angezettelt hat. Johnson heimste von den 500 geladenen Gästen auch Klatscher ein. Unterhaltsam ist er ja, der Clown.
Festspiel-Salzburg verließ Johnson, der sich als eiserne Reserve der abgestraften Konservativen Großbritanniens sieht, dennoch verstört. Ein Zuhörer drückte es so aus: „Einen Europa-Feind zu einem Europa-Gipfel einzuladen, ist blanker Wahnsinn!“
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